Nell Zink  [ USA, Deutschland ]

Biographie

Portrait Zink
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Mislaid
Ecco Press
New York, 2015
Der Mauerläufer
Rowohlt
Reinbek, 2017
[Ü: Thomas Überhoff]
Nikotin
Rowohlt
Reinbek, 2018
[Ü: Michael Kellner]

Nell Zink, 1964 in Kalifornien geboren, wuchs im ländlichen Virginia auf und ging in Williamsburg aufs College of William & Mary. Seit ihrer Kindheit beschäftigt sie sich mit dem Naturschutz. In Philadelphia gründete sie 1993 die »Fanzine Animal Review«, in dem u. a. Texte über Haus- oder Lieblingstiere der jeweiligen Autoren erschienen. Bevor Zink 2000 nach Deutschland ging, war sie als Sekretärin für den Konzern Colgate-Palmolive tätig und schrieb in Tel Aviv Softwaredokumentationen. In Tübingen promovierte sie 2008 im Fach Medienwissenschaften, nebenher arbeitete sie als Journalistin und Übersetzerin.

Nachdem sie einen Artikel über Zugvögel im Mittelmeerraum des renommierten Schriftstellers Jonathan Franzen in einem Brief kritisiert hatte, entwickelte sich daraus eine Korrespondenz mit dem Autor, der sie zur Publikation ihrer eigenen Texte ermutigte. Ihr Debütroman »The Wallcreeper« (2014; dt. »Der Mauerläufer«, 2016) spielt im Berner Oberland und im Berlin von heute und erzählt von einer Frau namens Tiffany, die charakterlich gewisse Ähnlichkeiten mit dem titelgebenden Vogel aufweist. Als Tiffanys Mann Stephen einen Mauerläufer überfährt, was bei Tiffany eine Fehlgeburt auslöst, und den verletzten Vogel danach pflegt, führt das zu tiefgreifenden Veränderungen: Stephen engagiert sich fortan für den Umweltschutz, gibt schließlich sogar seinen Beruf auf, um sich in Vollzeit für die Renaturalisierung von Flüssen einzusetzen. Tiffany, zu Beginn grau und unauffällig wie ein Mauerläufer, mausert sich zunehmend und löst sich aus der passiven Abhängigkeit von ihrem Mann. Zinks Ehe-, Umwelt- und Bildungsroman ist reich an philosophischen und literarischen Bezügen. Ironisch wird auch das Umfeld von NGOs betrachtet, bei denen sich Tiffany engagiert. Der Roman schaffte es 2014 auf die Liste der »100 notable books of 2014« der »New York Times«. Nach »Mislaid« (2015) folgte Zinks dritter Roman »Nicotine« (2016; dt. »Nikotin«, 2018). Darin betrachtet sie das aktuell gespaltene Amerika und erzählt von einer jungen Frau, die nach dem Tod ihres Vaters dessen Elternhaus renovieren will, dort aber auf eine Kommune von anarchistischen und kettenrauchenden Hausbesetzern trifft. Nach anfänglichem Widerstand entwickelt sie ein Zugehörigkeitsgefühl zu den politisch aktiven Bewohnern, verliebt sich in einen asexuellen Mann aus dieser Gemeinschaft und macht sich für sie gegen die Ansprüche ihrer Familie stark. »DIE ZEIT« lobte den Roman als »großartige satirische Szenensammlung über junge weiße Mittelschichtler, die in ihrer Gier, an irgendwas zu glauben, alles Mögliche anstellen«.

Die Autorin lebt heute in Bad Belzig.