Michael Fehr  [ Schweiz ]

Biographie

Portrait Fehr
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Kurz vor der Erlösung
Der gesunde Menschenversand
Luzern, 2013
Simeliberg
Der gesunde Menschenversand
Luzern, 2015
Glanz und Schatten
Der gesunde Menschenversand
Luzern, 2017


www.michaelfehr.ch

Michael Fehr, geboren 1982 und aufgewachsen in Bern, studierte am Schweizerischen Literaturinstitut Biel und an der Hochschule der Künste Bern.

2013 debütierte er mit »Kurz vor der Erlösung«, einem Band, der sich einer klaren Genrezuordnung verweigert und mit dem Zusatz »Siebzehn Sätze« versehen ist. Durch den Verzicht auf Interpunktion und Einhaltung grammatikalischer Regeln präsentiert Fehr das Erzählte als Performance, als Verschriftlichung der ursprünglichen Form der mündlich tradierten Literatur. Seine Texte entstehen aufgrund einer Einschränkung seines Sehvermögens durch Diktat mithilfe eines Aufnahmeprogramms; dadurch liegt ein Schwerpunkt auf dem Spiel mit Lauten und Bedeutungen, auf der Plastizität von Sprache und dem Suchprozess nach einem Wort oder Ausdruck: »im lodeligen / also lotterigen / lützelen / also wackeligen / wankenden / schwankenden / schaukelnden / knarrenden / knarzenden / gierenden Hochstand«. Es entsteht ein vielstimmiger Chor, der die Kapitel zu einer modernen Weihnachtsgeschichte fügt, wobei die Reihenfolge der Abschnitte keinem linearen Erzählfluss folgt. Fehr steht für eine archaische Erzähltradition, die zurück zu den mündlichen Quellen der Literatur strebt und dabei bewusst die Textur von Atem, Stimme und Musikalität des Sprechens einsetzt. »Simeliberg« (2015) präsentierte Fehr im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Preises 2014 und erhielt dafür den Kelag-Preis. Der Text liest sich, »als hätten Kafka und Beckett zusammen einen Krimi ausgeheckt« (Denis Scheck). Fehr setzt hier seine Experimente mit Sprachformen fort, erzählt aus einer Welt, der die Verlässlichkeit sprachlicher Codes abhandengekommen ist. Schwerfälliges Beamtendeutsch wird konterkariert mit zahlreichen mundsprachlichen Ausdrücken und Neologismen. »Simeliberg«, das zugleich ein Sittenbild der Schweiz, eine Kriminalgeschichte und ein Klangkunstwerk ist, erzählt vom schrulligen Bauern Schwarz, von der Suche nach seiner verschwundenen Frau und von den verschrobenen Menschen an einem unwirtlichen Ort, an dem sich zudem noch mysteriöse Dinge abspielen. In seinem jüngsten Erzählband »Glanz und Schatten« (2017) widmet sich Fehr dem Kampf zwischen Menschen, Tieren, Orten und Dingen in amüsanten Dialogen und beschreibt Vorgänge, etwa wie ein Rebhuhn zerlegt wird oder ein Mann gegen einen Mückenschwarm ankämpft, in schönen, teilweise auch monströsen Sprachbildern, die er seziert, verwirbelt und neu zusammensetzt.

Fehr ist Mitgründer von »Babelsprech«, einem Projekt zur internationalen Förderung junger Poesie, das er bis 2015 auch leitete. Seit 2013 ist er außerdem Juror des Literaturwettbewerbs Treibhaus. 2015 bis 2016 gehörte er dem Hausautorenkollektiv des Luzerner Theaters an. Er wurde mit zahlreichen Schweizer Literaturpreisen geehrt und war Stipendiat der Villa Aurora in den USA (2016), des Sangam House in Indien (2017) und der Landis & Gyr Stiftung in London (2018/2019). Der Autor lebt in Bern.

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