Levin Westermann  [ Schweiz ]

Biographie

Portrait Westermann
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

unbekannt verzogen
Luxbooks
Wiesbaden, 2012
3511 Zwetajewa
Matthes & Seitz
Berlin, 2017

Levin Westermann wurde 1980 in Meerbusch geboren und studierte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie an der Hochschule der Künste Bern.

2012 erschien sein erster Band mit Gedichten »unbekannt verzogen«. Bereits in den Texten des Debüts werden die grundlegenden Motive individueller Verlorenheit und existenzieller Unsicherheit deutlich sowie das Bestreben, für die Empfindungen dieser phantomhaften Existenz eine stilistisch-sprachliche Neuausrichtung der lyrischen Gattung zu finden. Metaphorisch karg und reich an Aussparungen, setzen Westermanns Gedichte das um, was Ilse Aichinger als Maxime des Schweigens im Sprechen formulierte. »Aichinger – das war die erste Autorin in deutschsprachigen Texten, die bei mir das ausgelöst hat, dass ich gemerkt habe: […] es muss ja gar nicht laut sein. Und im Stillen ist es eigentlich viel interessanter, was alles da nicht ausgesprochen wurde. Das ist Aichinger.« In seinem zweiten Gedichtband »3511 Zwetajewa« (2017) führt Westermann ein imaginäres poetisches Gespräch mit Dichtern vergangener Epochen. Den Zyklen um Leben und Werk von Anton Tschechow, Simone Weil und Marina Zwetajewa vorangestellt sind zwei Zitate von Mary Ruefle und Sarah Kane. Im ersten Teil »Tschechow. Eine Reise in zehn Teilen« zeigt Westermann in gleichermaßen beschwörenden wie verstörenden Bildern den sterbenden Tschechow auf einer verrückten Reise. Es sind vor allem die Erfahrungen eines existenziellen Abgrunds und der Vergänglichkeit, die Westermann in seinen Texten beschreibt: »Ich bin zum Beobachter geworden. / Die Seele versteckt sich in ihrer letzten Festung / und beobachtet wie ein Tier die anderen Seelen – / oder deren Abwesenheit.« Der Titel des Buchs verweist auf einen in den achtziger Jahren entdeckten Asteroiden, der nach der bekannten russischen Dichterin des Silbernen Zeitalters benannt wurde. Im letzten Zyklus des Bandes befasst sich Westermann in mehr als vierzig Kurztexten mit dem tragischen Schicksal von Marina Zwetajewa, die zwischen den Weltkriegen und Systemen zerrieben wurde und schließlich den Freitod wählte. Die Texte fügen sich zur Spurensuche eines Mannes zusammen, der im Jahr 2013 Zwetajewas poetischer Stimme und ihren Lebensstationen folgt, beginnend mit ihrem Wohnort von 1922 in Berlin bis hin zu ihren Briefen an Rilke und Pasternak, Fotografien und letzten Notizen. Diese Recherche löst zudem einen eigenen Schreibprozess aus, der parallel reflektiert wird.

Westermanns Texte erscheinen auch in Anthologien und Zeitschriften wie »Gegenstrophe«, »manuskripte« und »Sprache im technischen Zeitalter«. Er wurde u. a. mit dem Lyrikpreis beim 18. open mike 2010, mehreren Stipendien in Deutschland und der Schweiz sowie 2014 mit dem Orphil-Debütpreis der Stadt Wiesbaden ausgezeichnet. Der Autor lebt in Biel.

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