Jonas Lüscher  [ Schweiz, Deutschland ]

Biographie

Portrait Lüscher
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Frühling der Barbaren
C.H. Beck
München, 2013
Über Geld. Essay
In: Sprache im technischen Zeitalter, 210
Böhlau
Köln/Wien, 2014
An der Quelle
In: Edit
Leipzig, 2015
Kraft
C.H. Beck
München, 2017

Jonas Lüscher, geboren 1976 in Zürich, wuchs in Bern auf, wo er nach seiner Schulzeit bis 1998 am Evangelischen Lehrerseminar Muristalden zum Primarlehrer ausgebildet wurde. Einige Jahre arbeitete er als Dramaturg und Stoffentwickler in der deutschen Filmbranche und studierte von 2005 bis 2009 an der Hochschule für Philosophie in München. Nebenher war er als freiberuflicher Lektor tätig, anschließend arbeitete er zwei Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität sowie als Lehrer für das Fach Ethik an der Staatlichen Wirtschaftsschule München/Pasing. An der ETH Zürich begann Lüscher 2011 an seiner Dissertation zu schreiben und ging kurz darauf mit einem Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds nach Stanford.

Seine erste Novelle »Frühling der Barbaren« (2013), die für den Deutschen Buchpreis sowie für den Schweizer Buchpreis nominiert war und mehrfach ausgezeichnet wurde, erzählt von einem Schweizer Fabrikerben, der während einer Dienstreise in einem Luxushotel mitten in der tunesischen Wüste in eine englische Hochzeitsgesellschaft gerät. Während der Feierlichkeiten stürzt das Pfund ab, und die reichen jungen Engländer erweisen sich als zahlungsunfähig. Auch der Schweizer Fabrikant ist von der Finanzkrise betroffen, weil er in Tunesien fertigen lässt. Lüscher greift komplexe soziale Probleme in Zeiten der Globalisierung auf, die sich, wie in der Novelle, zu einem Akt der Barbarei auswachsen können, und schafft mit seiner facettenreichen, dramaturgisch spannend gestalteten Erzählung durch einprägsame Bilder eine »klug-groteske Fabel über eine Generation, die durch die Anziehung des Geldes alles riskiert« (»Deutschlandfunk«). 2017 erschien Lüschers erster Roman »Kraft«, für den er mit dem Schweizer Buchpreis und dem Tukan-Preis ausgezeichnet wurde. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Rhetorikprofessor Richard Kraft, der einen Ausweg aus seiner privaten und finanziellen Misere durch seine Teilnahme an einem hochdotierten wissenschaftlichen Wettstreit im amerikanischen Silicon Valley zu finden hofft. Bei seiner Vorbereitung auf den Vortrag über die Theodizee-Frage taucht er gedanklich in seine eigene Vergangenheit ein, rekapituliert seine Entwicklung zum Neoliberalen, streift die Brüche deutscher Geschichte, reflektiert über politische und ökonomische Fragen und verliert sich im Wissenschaftsskeptizimus. Die Gelehrtensatire porträtiert einen Mann in der Midlife-Crisis sowie eine Gesellschaft, deren mächtige Elite fern von jeglicher Moral zu jedem Tabubruch bereit ist.

Neben seinen literarischen Veröffentlichungen publizierte Lüscher politische und philosophische Essays in Zeitschriften und Zeitungen. Außerdem verfasste er das Libretto zur Oper »Jetzt« von Mathis Nitschke (Uraufführung 2012). Der Autor lebt in München.

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