Faribā Vafī  [ Iran ]

Biographie

Portrait Vafī
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Kellervogel
Rotbuch
Berlin, 2012
[Ü: Parwin Abkai]
Tarlan
Sujet
Bremen, 2015
[Ü: Jutta Himmelreich]
Der Traum von Tibet
Sujet
Bremen, 2018
[Ü: Jutta Himmelreich]

Faribā Vafī wurde 1963 in Täbris, der Hauptstadt der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan, geboren. Sie gilt als eine der führenden und populärsten Schriftstellerinnen des Landes. Bereits in jungen Jahren begann sie Erzählungen zu verfassen. Erste Kurzgeschichten publizierte sie u. a. in »Adineh«, der wichtigsten unabhängigen Zeitschrift für Kunst, Gesellschaft und Politik im Iran der achtziger und neunziger Jahre, mitbegründet von Faradsch Sarkuhi.

Vafī ist Autorin von sechs Romanen und fünf Erzählbänden. Das in mehrere Sprachen übersetzte Romandebüt »Parande-ye-man« (2002; dt. »Kellervogel«, 2012) schildert aus der Ich-Perspektive die Bürden, die auf einer Mutter lasten, deren Ehemann vom Gedanken an eine Emigration nach Kanada besessen ist. In der Introvertiertheit der Erzählerin eröffnet sich eine ungeahnte sprachliche Dimension, die das Hadern zwischen Dableiben und vermeintlicher Freiheit im Ausland birgt. Zählt Vafī mit ihren minimalistischen, poetisch verdichteten Schilderungen alltäglicher Tristesse und innerer Zerrissenheit zu den innovativen Stimmen der persischen Gegenwartsliteratur, ermöglicht sie einer westlichen Leserschaft Innenansichten, fernab von orientalischen Stereotypen. »Tarlan« (2006; dt. 2015) spielt während der politischen Umbrüche nach der Absetzung des Schahs. Auch hier ist die junge Titelheldin im Streben nach Selbstbestimmung gezwungen, zwischen Tradition und Moderne zu navigieren. Aus Furcht vor Erwerbslosigkeit entschließt sie sich zur Ausbildung an einer Polizeiakademie. Der Kasernenroutine und den gesellschaftlichen Zwängen vermag sie lediglich dank ihrer Freundin Rana, der Lektüre von Tolstoi oder Michail Scholochow sowie eigener schriftstellerischer Ambitionen zu entfliehen. Die Unterhaltungen, in denen die Anwärterinnen ihre Sehnsüchte offenbaren oder ihre Möglichkeiten zur Entfaltung austarieren, fließen in die heimlichen Notate der jungen Frau ein: »Das Einzige, was unser miserables Leben ein bisschen erträglicher macht, ist doch unsere Wahrheitsliebe.« In »Rowya-ye-Tabbat« (2007; dt. »Der Traum von Tibet«, 2018) wendet sich die Erzählerin nach einem schmerzlichen Beziehungsende in einer intimen, Rückschau haltenden Beichte an ihre Halbschwester, bei der sie Unterschlupf findet. Nächtens geplagt von einem wiederkehrenden Albtraum, reflektiert die an der persönlichen Krise wachsende Scholeh im familiären Zusammenleben über ihre eigene Unabhängigkeit. Wie immer schlägt Vafī leise Töne an, doch lässt sie hier erstmals Sprünge in Zeit und Raum zu und literarisch geschaffene Fakten und Fantasie unentwirrbar nebeneinanderstehen.

Zu Vafīs Ehrungen gehören der Huschang-Golschiri-, der Yalda-, der Mehregan-Adab- sowie der Literaturpreis von Isfahan. 2017 wurde sie zudem mit dem neu gegründeten Ahmad-Mahmoud-Preis und auf der Frankfurter Buchmesse mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet. Vafī lebt in Teheran.