Dževad Karahasan  [ Bosnien und Herzegowina ]

Biographie

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Der östliche Diwan
Wieser
Klagenfurt/Salzburg, 1993
[Ü: Katrin Becker]
Tagebuch der Aussiedlung
Wieser
Klagenfurt/Salzburg, 1993
[Ü: Klaus Detlef Olof]
Königslegenden
Galrev
Berlin, 1996
[Ü: Katrin Becker]
Schahrijârs Ring
Rowohlt
Berlin, 1997
[Ü: Klaus Detlef Olof]
Sara und Serafina
Rowohlt
Berlin, 2000
[Ü: Barbara Antkowiak]
Das Buch der Gärten
Insel
Frankfurt a. M., 2002
[Ü: Katharina Wolf-Grießhaber]
Berichte aus der dunklen Welt
Insel
Frankfurt a. M., 2007
[Ü: Brigitte Döbert]
Die Schatten der Städte
Insel
Berlin, 2010
[Ü: Katharina Wolf-Grießhaber]
Der Trost des Nachthimmels
Suhrkamp
Berlin, 2016
[Ü: Katharina Wolf-Grießhaber]

Dževad Karahasan wurde 1953 in Duvno, Jugoslawien (heute Republik Bosnien-Herzegowina), geboren. Er studierte Theaterwissenschaft und Vergleichende Literaturwissenschaften in Sarajevo und promovierte in Zagreb. Anschließend arbeitete er als Dramaturg am Volkstheater Zenica, als Redakteur für verschiedene Literatur- und Kunstzeitschriften und lehrte zudem ab 1986 Dramaturgie und Dramengeschichte an der Universität Sarajevo. 1993 verließ er die umkämpfte Stadt und wurde Gastdozent an der Universität Salzburg.

1980 erschien sein erster Band mit Erzählungen »Kraljevske legende« (dt. »Königslegenden«, 1996), 1989 der Roman »Istočni diwan« (1989; dt. »Der östliche Diwan« 1993), eine Kriminalgeschichte im Kontext mittelalterlicher islamischer Philosophie. Neben Theaterstücken und Hörspielen veröffentlichte Karahasan auch Essays wie »Dnevnik selidbe« (1993; dt. »Tagebuch der Aussiedlung«, 1993), eine Beschreibung des Kriegsalltags in Sarajevo, für die er 1994 den europäischen Essaypreis Charles Veillon erhielt. Auch die Haupthandlungen der Romane »Šahrijarov prsten« (1994; dt. »Schahrijârs Ring«, 1997) und »Sara i Serafina« (1999; dt. »Sara und Serafina«, 2000) sind in der belagerten Stadt Sarajevo angesiedelt. In »Schahrijârs Ring« sind Erzählungen eingefügt, die den Leser in eine entfernte orientalische Vergangenheit führen. Dieses Verfahren erlaubt dem Autor, aktuelle Geschichtserfahrung mit historischer Recherche, psychologische Erzählkunst mit Motiven aus »Tausendundeiner Nacht« und rationalistische Philosophie mit islamischer Mystik zu verknüpfen. Mit seiner raffinierten Konstruktion aus Rückblicken, Reflexionen und Antizipationen einer längst eingeholten Gegenwart erinnert »Sara und Serafina« an die Meister der deutschen Novellendichtung Kleist und Goethe, die Karahasan in seinem Theaterstück »Der Atlas des Empfindens« (Uraufführung 1999) in einen fiktiven Dialog treten lässt. Sein jüngster Roman »Što pepeo priča« (2016; dt. »Der Trost des Nachthimmels«, 2016) erzählt von Blüte und Zerfall eines islamischen Reichs. Der Hofastronom Omar Chayyam wird zur Klärung des Todesfalls eines hochangesehenen Mannes hinzugezogen – eines Vorfalls, der wie ein übles Vorzeichen eine Phase sozialer Spannungen und Bedrohungen des Reichs durch Kreuzritter und Mongolen einleitet. Eindringlich zeigt Karahasan das Aufziehen von religiösem Fundamentalismus und die Zerstörung einer toleranten Hochkultur.

Karahasan wurde mit zahlreichen Literaturpreisen geehrt, darunter dem Herder-Preis 1999, dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2004, der Goethe-Medaille des Goethe-Instituts 2012 und dem Franz-Nabl-Preis 2017. Karahasan schreibt für verschiedene europäische Zeitschriften und wurde 2013 zum korrespondierenden Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gewählt. Er lebt und arbeitet in Graz und Sarajevo.

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