Dima Wannous  [ Syrien ]

Biographie

Portrait Wannous
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Al-Kursi
Daral-Adab
Beirut, 2008
Beirut39: New Writing from the Arab World
Anthologie
[Hg. Samuel Shimon]
Bloomsbury
London, 2010
Dunkle Wolken über Damaskus
Edition Nautilus
Hamburg, 2014
[Ü: Larissa Bender]
Die Verängstigten
Blessing
München, 2018
[Ü: Larissa Bender]

Dima Wannous wurde 1982 als Tochter des politischen Dramatikers Saadallah Wannous in Damaskus geboren. An der dortigen Universität und an der Sorbonne in Paris studierte sie Französische Literatur, in Lyon Übersetzungswissenschaft. Anschließend lebte sie in Beirut und arbeitete für diverse Print-, Online- und Rundfunkmedien; darunter die Tageszeitungen »Al-Hayat«, »As-Safir« und das libanesische Online-Magazin »Al-Modon«. Für den TV-Sender Orient News moderierte sie ein Kulturprogramm und führte u. a. Interviews mit syrischen Oppositionellen.

Die Kurzgeschichtensammlung »Tafâsîl« (2007; dt. »Dunkle Wolken über Damaskus«, 2014) versammelt neun, durchnummerierte und »Details« genannte Erzählungen, die ein Alltagspanoptikum im Vorfeld der 2011 beginnenden syrischen Revolution bilden – eine Zeit, die »geprägt von Kälte und Härte« war, wie Wannous in dem später verfassten Vorwort schreibt. Eindringlich und mit ironisch-grotesken Zwischentönen vermitteln jene gesellschaftlichen Nahbeobachtungen, in denen das Gros der Protagonisten – vom Sicherheitsbeamten über die Redaktionsleiterin bis hin zum Taxifahrer – mit regimekonformer Servilität oder aus ererbten Machtpositionen heraus agiert, welch zersetzende Abschottung jeden Lebensbereich schon lange durchzogen hatte. 2008 erschien Wannous’ Debütroman »Al-Kursi« (Ü: Der Stuhl). In ihrem zweiten Roman »Al khaifoun« (2017; dt. »Die Verängstigten«, 2018) erhält die Erzählerin Suleima eines Tages ein Manuskript ihres früheren Geliebten Nassim, der nach Ausbruch der Kriegs nach Deutschland geflohen ist. In seinem Text erkennt sie sich wieder und forscht fortan ihrer literarischen Doppelgängerin nach. Doch die Kongruenzen entlarven stattdessen die Bruchstellen ihrer Identität und konfrontieren sie mit einer alles durchdringenden Angst. Sensibel werden so über Generationen hinweg erlittene Versehrungen gespiegelt und gleichzeitig metapoetisch die Grenzen der Verschriftlichung aufgezeigt. Die halbjährige Niederschrift des Romans, der eine lange Schreibblockade aufgrund der Geschehnisse in und der Distanz zu ihrer Heimat vorausging, vergleicht Wannous, die als kritische Stimme von der Regierung gesucht und sogar von engen Verwandten bedroht wurde, im Rückblick mit Psychotherapiesitzungen, in denen wirre Erinnerungen und beunruhigende Empfindungen wachgerufen werden, sodass sie nach Abschluss des Buchs das Gefühl hatte, endlich wieder atmen zu können. Eine englische Übertragung soll 2019 publiziert werden.

Von dem Projekt »Beirut39«, u. a. initiiert vom in London ansässigen Magazin für arabische Literatur »Banipal« und dem Hay Festival in Wales, wurde sie zu einer der vielversprechendsten arabischen Autor*innen unter 39 gewählt. 2018 ist sie auf der Shortlist des Internationalen Preises für arabische Literatur vertreten. Die Autorin lebt zusammen mit ihrem Mann, dem Journalisten Ibrahim Hamidi, in London.

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