Dianne Touchell  [ Australien ]

Biographie

Portrait Touchell
(c) Photography Project

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Zwischen zwei Fenstern
Königskinder
Hamburg, 2014
[Ü: Birgit Schmitz]
Kleiner Wahn
Carlsen
Hamburg, 2015
[Ü: Birgit Schmitz]
Foster vergessen
Carlsen
Hamburg, 2018
[Ü: Birgit Schmitz]
http://diannetouchell.com.au

Dianne Touchell wurde 1966 in Fremantle, Western Australia, geboren, wo sie auch aufwuchs. Von klein auf waren Musik und Bücher ihre große Leidenschaft. Mit zwölf Jahren gewann sie ein Stipendium für eine Musikschule, in der sie Cello und Gesang erlernte. Während ihres Kunststudiums arbeitete Dianne Touchell nebenbei als Barsängerin und Fish-and-Chips-Verkäuferin. Nach einer Zeit ausgedehnter Reisen ließ sie sich als Buchhändlerin in Perth nieder und begann mit dem Schreiben.
Ihr Debütroman für Kinder ab 15 Jahren »Creepy & Maud« (2012; dt. »Zwischen zwei Fenstern«, 2014) war als Book of the Year 2013 des Children’s Book Council of Australia nominiert und erhielt in der australischen Presse begeisterte Rezensionen. Erzählt wird von einer ungewöhnlichen Teenager-Liebe: Creepy und Maud sind Nachbarn, besuchen dieselbe Schule und unterhalten sich immer häufiger in Spiegelschrift von Fenster zu Fenster. Creepy macht seinem Spitznamen alle Ehre, wirkt düster und unzugänglich, verfügt aber über die erstaunliche Gabe, aus allem, was er gelesen und gehört hat, die unglaublichsten Schlüsse zu ziehen. Maud leidet unter einer seltenen psychischen Störung, reißt sich am gesamten Körper die Haare aus und wird von den Eltern, die schon zum Frühstück Rotwein trinken, zu Therapeuten geschleppt. Creepy und Maud finden in ihrer Begegnung zu neuer Kraft und Selbstannahme. Touchells nachfolgender Jugendroman »A Small Madness« (2015; dt. »Kleiner Wahn«, 2015) handelt vom ersten Sex. Rose und Michael sind verliebt, ihr »erstes Mal« ist liebevoll und schüchtern, aber er benutzt kein Kondom, und nach zwei Monaten ausbleibender Regelblutung fällt Rose’ Schwangerschaftstest positiv aus. Der Druck der Umgebung ist groß. Michael und Rose versuchen die Situation zu verdrängen, bis Rose das Kind schließlich tötet. »Dianne Touchells Roman klagt nicht an, er verurteilt nicht, er erzählt einfach nur eine alte Geschichte, die doch noch lange nicht veraltet ist« (»DIE ZEIT«). Touchells jüngster Roman »Forgetting Foster« (2016; dt. »Foster v rg ss n«, 2018) thematisiert das Problem von Alzheimer-Erkrankungen: Fosters Vater Malcolm, ein Finanzfachmann, vergisst zunächst nur Kleinigkeiten – mal den Herd auszuschalten, mal einen Termin auf der Arbeit. Dann häufen sich derartige Vorfälle, und Foster beschleicht die Furcht, sein Vater könnte nach und nach alle gemeinsamen Erinnerungen verlieren und vergessen, wer sein Sohn ist. Foster versucht die Situation dadurch zu verarbeiten, dass er mit Spielzeugsoldaten Schlachten nachstellt und die Figur des machtvollen Generals mit seinem Vater besetzt, der sich aber an seine zahlreichen Manöver nicht mehr erinnern kann. Mit ihrer eindringlich erzählten Geschichte über das Verlöschen regt Touchell zum Nachdenken darüber an, welche Bedeutung Erinnerung für Menschen hat und was von einem bleibt, wenn man alle seine Vorlieben und Abneigungen vergisst.

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