Carmen Boullosa  [ Mexiko, USA ]

Biographie

Portrait Boullosa
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Mejor desaparece
Océano
Mexiko, 1987
Verfolgt
Aufbau
Berlin, 1996
[Ü: Susanne Lange]
Sie sind Kühe, wir sind Schweine
Suhrkamp
Frankfurt a. M., 1993
[Ü: Erna Pfeiffer]
Die Wundertäterin
Suhrkamp
Frankfurt a. M., 1995
[Ü: Susanne Lange]
Der fremde Tod
Suhrkamp
Frankfurt a. M., 1998
[Ü: Susanne Lange]
¡Es reicht!
Der Fall Mexiko: Warum wir eine neue globale Drogenpolitik brauchen
[Mit Mike Wallace]
Antje Kunstmann
München, 2015
[Ü: Gabriele Gockel u. Thomas Wollermann]
Cuando México se (re) apropia de Texas
Arte Público
Houston, 2015


boullosa.webfactional.com

Carmen Boullosa wurde 1954 in Mexiko-Stadt in einer kinderreichen, bürgerlich geprägten Familie geboren. Sie studierte an der Universidad Iberoamericana und der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) und arbeitete von 1977 bis 1979 als Redakteurin des »Diccionario del Español de México« (Ü: Wörterbuch des mexikanischen Spanisch) am Colegio de México.

Nach einem ersten Gedichtband (1976) und einem ersten Theaterstück (»Vacío«, 1980), auf das weitere Theaterarbeiten folgten, erschienen von Boullasa bislang 17 Romane. Schon mit »Mejor desaparece« (1987) machte sich Boullosa einen Namen als junge literarische Stimme Lateinamerikas. »Son vacas, somos puercos« (1991; dt. »Sie sind Kühe, wir sind Schweine«, 1993) ist aus der Perspektive eines alten Mannes erzählt, der auf sein Leben zurückblickt: Mit 13 Jahren besteigt Jean Smeeks 1666 ein Schiff der Französischen Westindischen Kompagnie und schließt sich alsbald einer Gruppe von Piraten an. Der Roman entwirft ein erschreckendes Tableau aus der Welt der Freibeuter und Piraten, von Menschen, die der Armut Europas den Rücken gekehrt haben und ihr Glück in den reichen Kolonien Amerikas suchen. In »La milagrosa« (1992; dt. »Die Wundertäterin«, 1995) steht eine junge Frau im Mittelpunkt der Handlung, die im Schlaf Kranke zu heilen und andere Wunder zu vollbringen vermag. »Duerme« (1994; dt. »Der fremde Tod«, 1998) erzählt von der Tochter einer französischen Soldatenhure, die als Mann verkleidet nach Mexiko flieht. Vor dem Hintergrund des spanischen Kolonialisierungsprozesses in Mexiko verschmilzt Historisches mit Magischem zu einem traumartigen, grenzüberschreitenden Geschehen. Auch wenn Boullosa keine programmatische Gender-Literatur schreibt, werden in vielen ihrer Werke Geschlechteridentität sowie sich daraus ergebende Machtverhältnisse infrage gestellt. 2015 verfasste Boullosa zusammen mit Mike Wallace ein Plädoyer für eine neue, globale Drogenpolitik »A narco history« (dt. »¡Es reicht! Der Fall Mexiko: Warum wir eine neue globale Drogenpolitik brauchen«, 2015). Sie geht darin den Fragen nach, wann und wie der Drogenkrieg begann, wer ihn auslöste, wer davon profitiert und welche Folgen er für die Gesellschaft hat. In ihrem jüngsten, bilingualen Essayband »Cuando México se (re) apropia de Texas« (2015) behandelt Boullosa die Themen, die Amerikaner und Mexikaner vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart verbinden und trennen.

1983 war Boullosa Mitbegründerin der Kulturinitiative El Cuervo, eines Zentrums für Theateraufführungen, Dichterlesungen, Tanz- und Musikveranstaltungen. Sie erhielt 1991 das Guggenheim-Stipendium, lebte 1995/1996 als Stipendiatin des Künstlerprogramms des DAAD in Berlin und erhielt den LiBeraturpreis (1996), den Anna-Seghers-Preis (1997), den Premio Novela Café Gijón (2008) und den Premio Rosalía de Castro (2018). Die Autorin lebt in Coyoacán, Mexiko-Stadt, und in Brooklyn, New York.