Ángel Santiesteban  [ Kuba ]

Biographie

Portrait Santiesteban
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Sueño de un día de verano
Unión
Havanna, 1998
Los hijos que nadie quiso
Letras Cubanas
Havanna, 2001
Dichosos los que lloran
Fondo Editorial Casa de las Américas
Havanna, 2006
El verano en que Dios dormía
Neo Club
Miami, 2014
Wölfe in der Nacht
S. Fischer
Frankfurt a. M., 2017
[Ü: Thomas Brovot]


https://blogloshijosquenadiequiso.wordpress.com

Ángel Santiesteban wurde 1966 in Havanna geboren. In seinem Heimatland genießt er hohes Ansehen und wurde für seine literarischen Verdienste u. a. mit dem Premio Alejo Carpentier des Instituto Cubano del Libro (2001) und dem Premio Casa de las Américas (2006) bedacht, bis er durch den regierungskritischen Blog »Los hijos que nadie quiso« (Ü: Die Kinder, die niemand liebte) ins Visier der kommunistischen Machthaber geriet. Mehrfach bedroht, wurde er 2007 mit einem Publikationsverbot belegt und Ende 2012 zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Anklage wegen Hausfriedensbruchs und tätlichen Angriffs war aus Sicht der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte von dem Einparteienregime inszeniert worden. Santiesteban saß u. a. in dem berüchtigten Gefängnis Valle Grande ein und ging zweimal in den Hungerstreik. Durch das Engagement des Writers-in-Prison-Committee des PEN International und dank diplomatischer Bestrebungen des Auswärtigen Amtes gelang es, eine bedingte Freilassung zu erwirken.

Eine publizistische Besonderheit stellt die durch Amir Valle vermittelte und vom Übersetzungsexperten Thomas Brovot sprachmächtig ins Deutsche übertragene Prosasammlung »Wölfe in der Nacht« (2017) insofern dar, als einige der sechzehn hier gebündelten Kurzgeschichten noch gar nicht im spanischen Original erscheinen konnten. So auch eine Erzählung, die die Traumata der oft verdrängten kubanischen Intervention im angolanischen Bürgerkrieg heraufbeschwört und die Santiesteban auf Druck des kubanischen Kulturinstituts aus seinem Band »Sueño de un día de verano« (1998; Ü: Ein Sommertagstraum) streichen musste. Die Selbstzensur greift der Autor nun freimütig in einer metafiktionalen Episode auf: Die Hauptfigur eines verfemten Romanmanuskripts verzehrt den Urtext und somit sich selbst aus Furcht vor zensorischer Manipulation. Diese Pointe führt den Leser*innen konsequent das Schicksal des Oppositionellen vor Augen, der nurmehr für sich und die Schublade schreiben kann und selbst im vermeintlichen Refugium der Innerlichkeit und Imagination nicht vor der Verfolgung durch die Obrigkeit sicher ist. Andere Erzählungen schildern hautnah, meist aus der Ichperspektive, alltägliche Überlebenskämpfe – eine Frau, die sich für die ganze Nachbarschaft prostituiert; zwei ausgehungerte Freunde, die in einer Regennacht illegal ein Rind schlachten; Gefangene, die willkürliche Schikanen und Brutalität erdulden müssen. Illusionslos und in seiner deskriptiven Konzentriertheit immanent politisch fächert Santiesteban die moralische Verarmung in einem System auf, das Freigeister unterdrückt und zum Schweigen verurteilen will. Vom deutschsprachigen Feuilleton wurde der Sammelband als ein in seiner Unverstelltheit solitärer und stilistisch versierter literarischer Blick auf das gegenwärtige Kuba gewürdigt.

Santiesteban lebt in Havanna.

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