André Alexis  [ Kanada ]

Biographie

Alexis_(c)_Hannah Zoe Davison
(c) Hannah Zoe Davison

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Despair, and Other Stories of Ottawa
McClelland & Stewart
Toronto, 1994

Kindheit
Claassen
München, 2000
[Ü: Henning Ahrens]

Ingrid and the Wolf
Tundra Books
Toronto, 2005

Asylum
McClelland & Stewart
Toronto, 2008

Pastoral
Coach House Books
Toronto, 2014

Fünfzehn Hunde
Tiamat
Berlin, 2016
[Ü: Norbert Hofmann]

The Hidden Keys
Coach House Books
Toronto, 2016

 

Der kanadische Schriftsteller André Alexis wurde 1957 in Port of Spain (Trinidad und Tobago) geboren. Seine Eltern verließen Trinidad Ende der 50er Jahre, 1961 folgten ihnen Alexis und seine jüngere Schwester nach Kanada, so dass er seine Jugend in Ottawa verbrachte. Alexis begann seine künstlerische Laufbahn im Theater als Dramaturg bei der Canadian Stage Company (CanStage). 1995 wurde sein erstes Drama »Lambton Kent« aufgeführt, das von einem nigerianischen Anthropologen und seine Sicht auf Süd-Ontario handelt. Mit seiner ersten Sammlung von Kurzprosa »Despair, and Other Stories of Ottawa« (1994) war Alexis für den Commonwealth-Preis (Kanada und karibische Region) nominiert. Die Texte untersuchen die Tiefen der menschlichen Psyche, ergründen die dunklen Seiten ihrer Protagonisten und zeigen zudem ein surreales Abbild der kanadischen Hauptstadt. In seinem Debütroman »Childhood« (1998; dt. »Kindheit«, 2000) erzählt Alexis von einem Mann mittleren Alters, der zurückblickt auf seine Kindheit. Neben der Reflexion über die eigene Herkunft gestaltet sich der Roman als Innenweltdarstellung, macht die Subjektivität jeglicher Retrospektive deutlich. In einem Interview bezeichnete Alexis den Einfluss seiner Herkunft auf sein Schreiben darin, »... wie man in Trinidad spricht, die erzählerischen Rhythmen, die Wiederholungen, die Einfachheit der Sprache. […] Mein Ideal ist die Einfachheit und Schönheit des Märchens.« »Childhood« war u.a. für den Scotiabank Giller Prize nominiert. In »Asylum« (2008) erzählt Alexis in einer scharfsinnigen Satire, angesiedelt in Ottawa zur Zeit von Mulroney, von miteinander verflochtenen Leben und Schicksalen, von Politik und Eitelkeiten, vom Bau eines vermeintlich idealen Gefängnisses, von menschlicher Fehlbarkeit, von der Suche nach Zuflucht, Liebe und Heimat.
2014 erschien »Pastoral«, der erste einer geplanten Serie von fünf Romanen zu philosophischen Themen, gefolgt von »Fifteen Dogs« (2015; dt. »Fünfzehn Hunde«, 2016). Die Fabel handelt von einer Wette der Götter Hermes und Apoll, die fünfzehn Hunde mit Sprache und Denkfähigkeit ausstatten und deren Veränderungen beobachten. Dabei ergeben sich faszinierende Einsichten in die Schönheit und die Gefahren des Bewusstseins. Der dritte Roman der Serie »The Hidden Keys« (2016) ist eine Abenteuergeschichte und wurde von Robert Louis Stevensons »Schatzinsel« (1883) inspiriert.
Neben seinen Romanen schrieb Alexis auch ein Jugendbuch »Ingrid and the Wolf« (2005) sowie eine Reihe von Libretti, darunter für James Rolfes Oper »Aeneas und Dido« (2007), die im Entstehungsjahr im Masque Theatre Toronto uraufgeführt wurde. Alexis erhielt zahlreiche Preise, darunter den Windham-Campbell Literaturpreis 2017. In Toronto, wo er heute lebt, arbeitet er als Moderator für CBC Radio, schreibt als Literaturkritiker für »The Globe« und »Mail« und lehrt Englisch und Creative Writing an der Universität.