Feridun Zaimoglu  [ Deutschland ]

Biographie

Feridun Zaimoglu Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2006, 2009.

Bibliographie

Kanak Sprak
Rotbuch
Hamburg, 2004

German Amok
Fischer
Frankfurt/Main, 2004

Zwölf Gramm Glück
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2004

Liebesbrand
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2008

Hinterland
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2009

Feridun Zaimoglu wurde 1964 im anatolischen Bolu geboren und wuchs als Sohn einer Gastarbeiterfamilie in Deutschland auf. Seit 1985 lebt er in Kiel, wo er Kunst und Humanmedizin studierte. Mit seinem Debüt von 1995, »Kanak Sprak. 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft«, den folgenden Büchern »Abschaum. Die wahre Geschichte des Ertan Ongun« (1997) und »Koppstoff« (1998) sowie mit dem Film »Kanak Attack« (2000) hob er das Idiom jugendlicher Einwandererkinder ins Bewusstsein der deutschen Gesellschaft. Seitdem gilt er als Kultautor und Galionsfigur der Migrantenliteratur hierzulande.

»Kanak Sprak« stellt die Lebensgeschichten und -ansichten türkischer Einwanderer vor. Die Texte beruhen auf O-Tönen, aus denen Zaimoglu eine eigene literarische Ausdrucksweise entwickelt. Darin mischt sich die stakkatohafte deutsch-englische Redeweise der Straße mit vulgären, obszönen und beleidigenden Ausdrücken sowie direkt übersetzten, antiquiert anmutenden Formulierungen aus dem Türkischen. Obwohl zum Fürsprecher einer ganzen Bevölkerungsgruppe gemacht, verfolgt Zaimoglu kein bestimmtes Programm. Sein zentrales Thema ist vielmehr die Unbehaustheit und Liebesbedürftigkeit des Menschen, die er am Beispiel von Migrantenschicksalen mit fulminanter Sprachbeherrschung darstellt, wie im Erzählband »Zwölf Gramm Glück« (2004). Dieser vereint zwölf Geschichten über die Suche nach Liebe, die sich in der modernen, westlichen neuen Heimat und dem orientalischen, archaischen Herkunftsland der verschiedenen Ich-Erzähler abspielen. Im Bestseller »Leyla« (2006) erzählt Zaimoglu aus Sicht der Protagonistin – in der patriarchalischen Gesellschaftsordnung zum passiven Beobachten verdammt – von einer Kindheit in der anatolischen Provinz, dem Umzug nach Istanbul und der vagen Hoffnung, als Gastarbeiterin in Deutschland ein besseres Leben zu finden. Der türkischstämmige Protagonist im Roman »Liebesbrand« (2008) verliebt sich in eine Frau, die ihm nach einem beinahe tödlichen Busunfall zu trinken gibt. Seine burleske Suche nach ihr, die ein romantisches und ein orientalisches Liebeskonzept vereint, führt ihn zurück nach Deutschland, wo er aufgewachsen ist, und weiter nach Wien und Prag. Zaimoglus neuer Roman »Hinterland« (2009) setzt die literarische Examinierung von Erscheinungsformen der Liebe in unserer Zeit in mehreren furiosen Episoden fort.

Unter den Auszeichnungen des Autors sind der Hebbel-Preis, der Adelbert-von-Chamisso-Preis, der Hugo-Ball-Preis, der Grimmelshausen-Preis und der Corine-Literaturpreis. Der Autor war Inselschreiber auf Sylt und Samuel-Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin. Seine Vorlesungen, die er als Poetik-Dozent in Tübingen hielt, erschienen unter dem Titel »Ferne Nähe« (2007). Sein Aufenthalt als Stipendiat der Villa Massimo in Rom inspirierte in zu den Erzählungen »Rom intensiv« (2007). Zaimoglu schreibt regelmäßig für »Die Zeit«, die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«, »Die Welt« und die »Frankfurter Rundschau«.

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