Thé Tjong-Khing  [ Niederlande, Indonesien ]

Biographie

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Fuchs und Hase
[Text: Sylvia Vanden Heede]
Ellermann
München, 1999
[Ü: Sylke Hachmeister]

Helden. Griekse mythen
[Text: Els Pelgrom]
Lannoo
Arnheim, 2006

Zauberkind. Die schönsten Prinzessinnenmärchen
[Text: Henri Van Daele]
Loewe
Bindlach, 2007
[Ü: Mirjam Pressler]

Donder en bliksem
[Text: Els Pelgrom]
Lannoo
Arnheim, 2007

Ich will Kuchen, sagt Fuchs
[Text: Sylvia Vanden Heede]
Moritz
Frankfurt/Main, 2007
[Ü: Willy de Wanten]

Die Torte ist weg
Moritz
Frankfurt/Main, 2008

Picknick mit Torte
Moritz
Frankfurt/Main, 2008

Het Aa Bee See van Vos en Haas
[Text: Sylvia Vanden Heede]
Lannoo
Arnheim, 2008

Übersetzung: Sylke Hachmeister, Mirjam Pressler, Willy de Wanten

Als »großes Werk der Kleinigkeiten« feierte die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« Thé Tjong-Khings Bilderbuch »Waar is de taart?« (2004; dt. »Die Torte ist weg«, 2006), das die turbulente Suche einer illustren Tiergesellschaft nach einer begehrten Torte zeigt. Thé wurde 1933 in Purworedjo auf Java als Kind einer chinesisch-indonesischen Familie geboren. Der Virtuose niederländischer Comic- und Illustrations-Kunst begann seine Ausbildung an der Seni Rupa-Zeichenakademie in Bandung, führte sie 1956 an der Kunstgewerbeschule in Amsterdam fort und wurde von den Marten Toonder Studios engagiert. Ende der sechziger Jahre kreierte er – mit dem Texter Lo Hartog van Banda – den von der Popkultur inspirierten Comic »Iris«, später entstand ihr Science Fiction-Epos »Arman & Ilva«. Thé begann freischaffend zu arbeiten und illustrierte u.a. die Kinderzeitung »Kris Kras«. Seine Zeichnungen für Miep Diekmanns »Total loss, weet je wel« (1973; Ü: Totalschaden, weißt du) waren Auftakt einer imposanten Karriere als Kinderbuchillustrator. Die preisgekrönte »Vos en Haas«-Reihe (1998ff; dt. »Fuchs und Hase«, 1999; Text: Sylvia Vanden Heede) gehört zu seinen populärsten Werken.

Nachdem Thé in frühen Arbeiten einer stark naturalistischen Wiedergabe verpflichtet war, entwickelte er ab 1975 einen kindlich-authentischen Zeichenstil mit Feder und Aquarellpinsel. Nach Illustrationen zu Texten von Dolf Verroen, Guus Kuijer, Els Pelgrom und Annie M.G. Schmidt ist »Waar is de taart?« Thés erstes Bilderbuch, das ohne Worte auskommt. Es wurde 2005 mit dem Woutertje Pieterse Prijs prämiert und war 2007 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Hier »übernehmen die klug komponierten Illustrationen die erzählerische Funktion, wobei es Thé Tjong-Khing auf faszinierende Weise gelingt, in seinen traditionellen Illustrationsstil Elemente modernen Bild-Erzählens zu integrieren«, heißt es in der Jurybegründung. Durch das gewaltige Bildpanorama ziehen sich Wege, Wiesen und Wasserstraßen, auf denen sich Hund, Katze, Bär, Schwein und Dachs von Doppelseite zu Doppelseite voran arbeiten. Dem Betrachter eröffnet sich eine detailreiche »Schnitzeljagd«: Wer hat die Früchte vom Baum gegessen? Worüber ärgert sich die Ziege? Und wo verstecken sich Fuchs und Hase? Der Geniestreich des zweiten Bandes, »Picknick met taart« (2005; dt. »Picknick mit Torte«, 2008), liegt in der Variation der Rahmenhandlung: Im Zentrum der neuen Geschichte steht ein Berg, auf den die Picknickgesellschaft steigt und von dem es wieder hinunter ins Dorf geht, als der Torten-Diebstahl entdeckt wird. Auch hier besticht Thé als brillanter Regisseur im Stile Robert Altmans. »Ich denke mehr in Bewegungen als in stillstehenden Bildern«, sagt er.

Zu Thé Tjong-Khings über 150 Werken gehören Illustrationen zu Märchen und Mythen wie »Helden. Griekse mythen« (2006; Text: Els Pelgrom). Als einziger Künstler wurde er dreimal mit dem Gouden Penseel ausgezeichnet. 1988 erhielt er den Professor Pi Prize, und 2008 war er für den Hans-Christian-Andersen-Award nominiert. Thé, der an der Rietveld-Akademie in Amsterdam lehrte, lebt in Haarlem.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.thetjongkhing.nl/]

Thé Tjong-Khing
© Ali Ghandtschi

Berlin View

Als ich vor etwa zehn (oder mehr) Jahren für ein paar Tage nach Berlin kam, hatte ich die ganzen Grässlichkeiten des 2. Weltkriegs und aus John le Carrés „Der Spion, der aus der Kälte kam“ im Kopf.
Aber ich fand Berlin, abgesehen davon, dass es riesig war, ausgedehnt und eindrucksvoll, erstaunlicherweise Amsterdam nicht unähnlich: entspannt und gemütlich. Aber der Kurfürstendamm war raffinierter und eleganter als irgendwas hier drüben in Holland. Das Zentrum allerdings war eine große Baustelle, die die Stadt leider zusammenhangslos und orientierungslos machte.
Ich war eingeladen worden, nach Berlin zu kommen, um an Schulen über meine Arbeit zu erzählen. Die Kinder waren auf jeden Fall besser ausgebildet, besser erzogen und disziplinierter als ich es gewohnt war. Eine ungewöhnliche und erfreuliche Erfahrung.
Zurück zu Hause, war Holland winzig, klein und provinziell


Aus dem Englischen von Philipp Venghaus

Thé Tjong-Khings "Kommabild"

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