Barry Lopez  [ USA ]

Biographie

Barry Lopez Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Krähe und Wiesel
Verlag an der Este
Buxtehude, 1993
Übersetzung: Michel Mundhenk
Ill: Tom Pohrt

In der Wüste. Am Fluss
Klett-Cotta
Stuttgart, 1995
Übersetzung: Hans-Ulrich Möhring

Of Wolves and Men
Touchstone
New York, 1995

Der listige Coyote
Lamuv
Göttingen, 1996
Übersetzung: Hans-Ulrich Möhring

Lessons from the Wolverine
University of Georgia Press
Athens, 1997
Ill: Tom Pohrt

About This Life
Vintage Books
New York, 1998

Arktische Träume
Goldmann
München, 2000
Übersetzung: Ilse Strasmann

Light Action in the Caribbean
Vintage Books
New York, 2001

Field Notes
Vintage Books
New York, 2004

Resistance
Alfred A. Knopf
New York, 2004

Home Ground: Language for an American Landscape [Hg.]
Trinity University Press
San Antonio, 2006

Übersetzer: Hans-Ulrich Möhring, Ilse Strasmann, Peter Torberg

Barry Holstun Lopez wurde 1945 im Staat New York geboren. Er wuchs in Südkalifornien und New York auf und studierte Aeronautik, Englisch, Theater, Amerikanische Kulturgeschichte und Journalismus. 1968 zog er nach Oregon, wo er bis heute lebt, und begann, Essays, Kurzgeschichten und Sachbücher zu verfassen.

Die Beschäftigung mit Natur und Kultur, mit indigenen Völkern, Mythen und Landschaften durchzieht Lopez’ umfangreiches Werk von Anfang an. »Giving Birth to Thunder, Sleeping With His Daughter« (1977; dt. »Der listige Coyote. Was sich Indianer am Lagerfeuer erzählen«, 1996) ist eine Nacherzählung indianischer Geschichten um die mythische Gestalt des Trickster Coyote. 1978 erschien »Of Wolves and Men« (Ü: Von Wölfen und Menschen), gleichzeitig wissenschaftliche Studie und einfühlsames kulturhistorisches Portrait, welches die damalige vorherrschende Einstellung zum »räuberischen Wolf« nachhaltig veränderte. Lopez’ bekanntestes Buch ist »Arctic Dreams« (1986; dt. »Arktische Träume«, 2000), für das er den National Book Award erhielt. Es verbindet mit feinem Gespür für die Vielfalt dieses Lebensraumes Fakten und Geschichten über Geologie, Tier- und Pflanzenwelt, wie sie der Autor auf Reisen mit Anthropologen, Archäologen und Ureinwohnern erfahren hat.

Genaue, geduldige und neugierige Beobachtung ist ein konstitutives Element von Lopez’ Büchern. Lopez, der auch als Landschaftsfotograf arbeitete, hat bislang beinahe fünfzig Länder bereist, darunter China, Indien und Brasilien; er zog mit Einheimischen durch entlegene Regionen Afrikas und Australiens und war wiederholt in der Antarktis. Seine elegante Prosa ist dennoch kein bloßer Reisejournalismus, sondern überhöht prägnante, schnörkellose Beschreibungen zu einer nahezu enigmatischen lyrischen Intensität. Das damit verbundene Gefühl reinen Staunens gehört wohl zu dem, was Lopez als »Literatur der Hoffnung« bezeichnet.

In seinen neuesten Essays und Kurzgeschichten steht die Sorge um die westliche Kultur und deren Zukunft im Vordergrund. »Resistance« (2004; Ü: Widerstand) erzählt von neun Personen, die gemeinsam studiert haben und in verschiedenen Teilen der Welt damit kämpfen, ein sinnvolles Leben zu führen. Als sie eines Tages von einem ominösen Büro der »Inland Security« drohende Briefe bekommen, in denen ihre bisherigen künstlerischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten als Gefahrenquellen für die Demokratie eingestuft werden, beschließen sie, in den Untergrund zu gehen. Was als aktuelle Parabel auf paranoide Auswüchse staatlicher Institutionen nach dem 11. September gelesen werden kann, ist bei Lopez eine Geschichte über Hoffnung und Entschlossenheit der ins Visier der Behörde geratenen Personen.

Unter den Preisen, mit denen Lopez ausgezeichnet wurde, sind Stipendien der Guggenheim, Lannan sowie der National Science Foundation und die John-Burroughs-, John Hay- und Christopher-Medaillen. Zuletzt gab er »Home Ground« heraus, einen literarischen Führer durch die Begrifflichkeit der amerikanischen Landschaft mit Beiträgen von mehr als vierzig amerikanischen Dichtern und Schriftstellern.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.barrylopez.com/]

Berlin View

The room in which I write could be comfortably occupied by a writer from the European sixteenth century. Save for the electric typewriter, all else -- mementoes, writing implements, tribal rugs, musical instruments, even Japanese furniture -- would be familiar. Nothing is to be found in the room that sends or receives images or sound -- telephone, fax, radio, computer, tv. The room, 5 x 6 meters, is on the second floor of a sixty-year-old house, which sits by itself in the heavy woods of western Oregon, overlooking a white-water river. Virtually everything I've written over the past 35 years I've written in these quarters. (I wrote an essay once, "The Whale Boat," about what I see if I glance up from the club chair in which I'm reading, the layers of history in the room and the woods beyond the three large windows in one wall.)

The desire to "tell a story" in a more or less formal way is rooted for me in a social impulse to be of use, which I imagine having emerged in a paleolithic setting and, except for the influence of commerce and, more recently, electronic technologies, to have changed little. The organization of the room reflects my belief in the ability of story to transcend horror and despair -- the financial violence, chronic distraction, vigorous denial, and antic impulses of fashion which shape so much of modern life.