10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Künstler

Jakob Mattner  [ Deutschland ]
Ali Ghandtschi  [ Iran, Deutschland ]
Hartwig Klappert  [ Deutschland ]
Jaqueline Merz  [ Schweiz ]
Marcel Prüfert  [ Deutschland ]
Gabriele Rothemann  [ Deutschland ]
Lothar Seruset  [ Deutschland ]
Frank Schäpel  [ Deutschland ]
Peter Marggraf  [ Deutschland ]
Ai Weiwei  [ China ]
Ai Weiweis Installationen „4851“ und „Nian“ (dt.: „Ehrendes Gedenken“) zeigen eine Liste von 4.851 bzw. 5.206 Namen getöteter Schüler. Sie starben bei dem großen Erdbeben in Sichuan im Jahr 2008, beim Einsturz von Schulgebäuden, die nicht den Bauvorschriften entsprachen. Die Namensliste der Schüler wurde von der von Ai Weiwei ins Leben gerufenen, privaten Initiative „Wider das Vergessen“ zusammengetragen. Diese wurde von den Behörden stark behindert und einige Aktivisten kamen ins Gefängnis. Die Namensliste strahlt die Ordnung, Einheitlichkeit und Vollständigkeit eines Archivs aus. Zu hören ist zudem, wie die Namen auf der Liste von vielen Stimmen einer nach dem anderen vorgelesen werden. Zum Vorlesen der Namen hatte Ai Weiwei über das Internet am Vorabend des zweiten Jahrestags des Erdbebens aufgerufen. Es erinnert an das traditionelle chinesische Begräbnisritual der „Anrufung der Seelen der Toten“. Die Lebenden stehen auf einer Erhebung oder einem Dach und rufen die Namen der Verstorbenen, damit deren Seelen ihren Platz im Jenseits finden. Das Schriftzeichen „Nian“ trägt im Chinesischen unter anderem die Konnotation von „laut vorlesen“, „vermissen“ und „gedenken“. Ai Weiweis Werk „Nian“ ist somit eine Zeremonie des Übergangs vom Leben zum Tod. Die „Nennung“ der Verstorbenen soll ihnen eine letzte, bescheidene Ehre erweisen.
Liu Xia  [ China ]
Liu Xia arbeitet in ihrer Fotografie mit einfachsten Mitteln: einer alten russischen Doppellinsen-Spiegelreflexkamera und Schwarz-Weiß-Rollfilmen, die sie in ihrer eigenen Dunkelkammer entwickelt. Den Blick durch das Objektiv wirft sie auf nicht weniger elementare Dinge: eine Gruppe kleiner Puppen aus Brasilien, Geschenke einer Freundin, die sie als „die hässlichen Babys“ bezeichnet. Dazu arrangiert Liu Xia, die Frau des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, schlichte Requisiten: einen Vogelkäfig, einige Zigarettenstummel, Teelichter, Stofffetzen, Bücherstapel, ein Einmachglas, ein paar Blumen. Auf ihren Negativen hält sie diese Szenarien – von gelegentlicher Doppelbelichtung abgesehen – ohne jeden Spezialeffekt fest. Manchmal, selten nur, trägt sie die Puppen ins Freie. „Die Puppen haben kein Leben, aber Freiheit. Liu Xia hat ein Leben, aber keine Freiheit. Sie ist von ihrem Mann seit vielen Jahren getrennt. Sie stand auch schon einmal mit ihrem Mann zusammen unter Hausarrest. So hinterlassen die Puppen, die Freiheit verströmen, Spuren auf ihren Fotos. Die Schönheit der Natur bleibt einem Fotografen fern. Das ist sicherlich bedauerlich, aber so ist es. Ihre Liebe trägt keine Früchte durch das Pendeln zum Gefängnis und zurück. Deshalb verrät ihre Fotografie das tiefe Mitleid einer Frau für die Puppen.“ (Liao Yiwu)
Tsering Dorjee
Die Ausstellung beginnt mit vierzig Dokumentarfotos des tibetischen Fotografen Tsering Dorjee (1937–1991). Diese Bilder bringen Licht in eine durch „Mauern“ abgeschottete Geschichtsperiode und dokumentieren die Versuche des kommunistischen Regimes, Tibet mit der „Kulturrevolution“ (1966–1976) zu überziehen. Tsering Dorjee hat über vierhundert Fotografien hinterlassen, deren Negative erst nach Jahrzehnten in Vergessenheit von seiner Tochter, der Dichterin Tsering Woeser, entdeckt wurden. Ihren jahrelangen Bemühungen ist es zu verdanken, dass die auf den Fotos festgehaltenen Ereignisse und Menschen identifiziert wurden und somit die individuelle und die kollektive Erinnerung bewahrt werden konnten. Dies ist im Zusammenhang mit der „Kulturrevolution“ in Tibet umso wichtiger, als es über sie kaum schriftliche und bis zum Auffinden von Tsering Dorjees Foto nur einige wenige Bilddokumente gab.
Meng Huang  [ China, Deutschland ]
Seit 2004 malt Meng Huang die ihm vertrauten Landschaften vor Ort. Die Besonderheit seiner Landschaftsmalerei liegt in der Zurückhaltung der Farbgebung. Der Künstler benutzt lediglich zwei Farben: Schwarz und Weiß. Das erinnert einerseits an die künstlerische Konzeption der traditionellen chinesischen Tuschemalerei, andererseits an die Strenge und Eintönigkeit einer geologischen Karte – die Landschaftsmalerei wird damit zu einer Vermessung. Das hier gezeigte Werk „Dam“ ist ein über 17 Meter langes, achtteiliges Gemälde, ein Panorama des Banqiao-Staudamms in der Kreisstadt Biyang in der Provinz Henan. Dem chinesischen Betrachter ruft das Bild unwillkürlich den Bruch dieses Damms am 8. August 1975 in Erinnerung. Es war der bis heute weltweit folgenreichste Bruch eines Staudamms. Ausgelöst durch starke Gewitterregen, brachen der Hauptdamm und 56 angeschlossene Dämme. Die chinesische Regierung hütet die technischen Ursachen und die Statistiken zu der Naturkatastrophe wie ein Staatsgeheimnis. Die geschätzte Zahl der Todesopfer liegt zwischen 23.000 und 230.000 Menschen.
Alex Bodea  [ Rumänien, Deutschland ]
Zora Volantes  [ Deutschland ]