10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / Marko Martin

Marko Martin  [ Deutschland ]

Biographie

Marko Martin
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

Der Prinz von Berlin

Quadriga

Berlin, 2000

Sonderzone

Nahaufnahmen zwischen Teheran und Saigon

zu Klampen

Springe, 2008

Kosmos Tel Aviv

Streifzüge durch die israelische Literatur und Lebenswelt

Wehrhahn

Hannover, 2012

Die Nacht von San Salvador

Ein Fahrtenbuch

Die Andere Bibliothek

Berlin, 2013

Treffpunkt ’89

Von der Gegenwart einer Epochenzäsur

Wehrhahn

Hannover, 2014

Marko Martin wurde 1970 im sächsischen Burgstädt geboren. Aus politischen Gründen wurde er mit einem Hochschulverbot belegt. Im Mai 1989 verließ er als Kriegsdienstverweigerer die DDR. An der Technischen Universität sowie an der Freien Universität in Berlin studierte er Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte.

Martins Essays ebenso wie seine Prosa zeichnen sich durch ihre Weltgewandtheit aus, die Beobachtungen mit innerer Reflexion verbindet. Reportagereisen führten ihn rund um die Welt, als Korrespondent reiste er in Krisengebiete, so 2007 in Birma. Die Niederschlagung landesweiter Protestdemonstrationen u. a. dokumentierte er in dem Band »Sonderzone. Nahaufnahmen zwischen Teheran und Saigon« (2008). Der Roman »Der Prinz von Berlin« (2000) schildert ironisch, temporeich und einfühlsam die Erfahrungen eines libanesischen Auswanderers zwischen Coming-out, urbaner Realität, neu entdeckten Freiheiten und drohender Abschiebung. Der Essayband »Kosmos Tel Aviv« (2012), eine Hommage an seine »zweite Heimat«, fand auch Anklang bei der israelischen Tageszeitung »Ha’aretz«. Seinem Erzählband »Schlafende Hunde« (2009) nicht unähnlich, kann die ebenfalls in der Anderen Bibliothek erschienene »Nacht von San Salvador« (2013) wiederum als subjektives »Fahrtenbuch« exotischer Expeditionen, u.~a. nach Damaskus, Manaus, Jerusalem, Bogotá oder Danzig, gelesen werden. Episodisch und multiperspektivisch entwirft Martin ein globales Decamerone mit erotischen Eskapaden vor politischem Hintergrundrauschen. Für den jüngsten Band »Treffpunkt ’89. Von der Gegenwart einer Epochenzäsur« (2014) überarbeitete Martin teils zuvor erschienene Reportagen und Essays, die in ihrer Zusammenstellung eine zeitdiagnostische Kohärenz offenbaren und das breite Interessenspektrum des weit gereisten Autors illustrieren. Seine Porträts von Czesław Miłosz, Reiner Kunze, Melvin Lasky, Arthur Koestler, Manès Sperber, Jürgen Fuchs oder Bei Dao formen ein facettenreiches Bild der Auflehnung und moralischer wie künstlerischer Integrität. In dieser aus individuellen Lebensläufen zusammengesetzten Chronik erscheint das titelgebende Umbruchjahr als Beleg für die Offenheit der Geschichte, welche die diskursbestimmenden Prognosen von Marx bis Fukuyama letztlich widerlegt.

Martins Texte wurden in zahlreichen Zeitungen und Magazinen veröffentlicht, darunter »taz«, »Tagesspiegel«, »FAZ«, »Die Welt«, »NZZ«, »Lettre International«, »Tempo«, »Kommune«, »mare« und »Cicero«. Er wurde mit dem Arthur F. Burns Fellowship (1994) und Arbeitsstipendien des Else-Heiliger-Künstlerfonds sowie der Deutsch-Holländischen Kulturstiftung geehrt. Als langjähriges Mitglied des PEN-Zentrums engagiert er sich im international agierenden »Writers in Prison«-Komitee für die Menschenrechte politisch inhaftierter Autoren. Martin lebt in Berlin.

abgelegt unter: