10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Yoko Tawada  [ Japan, Deutschland ]

Biographie

Portrait Tawada
Copyright Yoko Tawada / C. Yves Noir

Gast des ilb 2005, 2017.

Bibliographie

Nur da wo du bist da ist nichts

Konkursbuch

Tübingen, 1987

[Ü: Peter Pörtner]

Tintenfisch auf Reisen

Konkursbuch

Tübingen, 1994

[Ü: Peter Pörtner]

Talisman

Konkursbuch

Tübingen, 1996

Opium für Ovid

Konkursbuch

Tübingen, 2000

Überseezungen

Konkursbuch

Tübingen, 2002

Das nackte Auge

Konkursbuch

Tübingen, 2004

Sprachpolizei und Spielpolyglotte

Konkursbuch

Tübingen, 2007

Fremde Wasser

Konkursbuch

Tübingen, 2012

Etüden im Schnee

Konkursbuch

Tübingen, 2014

akzentfrei

Konkursbuch

Tübingen, 2016

Ein Balkonplatz für flüchtige Abende

Konkursbuch

Tübingen, 2016

Yoko Tawada wurde 1960 in Tokio geboren. Mit zwölf Jahren schrieb sie einen ersten Roman, den sie in Form von Fotokopien verteilte. Sie studierte Literaturwissenschaft, Schwerpunkt Russische Literatur, und ab 1982 Neue Deutsche Literatur in Hamburg. Sie promovierte über »Spielzeug und Sprachmagie in der europäischen Literatur« und begann auch auf Deutsch zu schreiben. Ihre erste deutsche Veröffentlichung war jedoch noch eine Übersetzung aus dem Japanischen: »Nur da wo du bist da ist nichts« (1987) enthält Gedichte und Prosa. 1993 erhielt sie den Akutagawa-Sho, den renommiertesten japanischen Literaturpreis, für ihre Erzählung »Inumukoiri« (dt. »Hundebräutigam«, in: »Tintenfisch auf Reisen«, 1994). 1996 wurde ihr der Adelbert-von-Chamisso-Preis verliehen.

Im Zentrum von Tawadas Schaffen steht Fremdheit: »Sprache ist fremd. Wie sonst könnte es geschehen, dass ein Satz völlig wahr und aufrichtig ist und doch kraftlos bleiben kann?« Indem Tawada diesem Aspekt mit raffinierter Naivität nachgeht, verrätselt sie auch das unmittelbare Weltverständnis, das jeder Kultur innewohnt. Als poetische Ethnologin bringt sie die Exotik des Alltags zum Vorschein, etwa in »Talisman« (1996), in dessen Titelgeschichte Ohrringe zu Glücksbringern werden. Der fremde und verfremdende Blick ist auch der Protagonistin von »Das nackte Auge« (2004) zu eigen, einer Vietnamesin, die ungewollt nach Paris gerät, ohne Französisch zu verstehen. Alles beginnt nun unverständlich und geheimnisvoll zu ihr zu sprechen~– Gesten, Gesichter, Dinge, Buchstaben~–, während sie selbst sprachlos bleibt. Indem die enigmatischen Zeichen unvermutete Verbindungen eingehen, verwandelt sich die Wirklichkeit in eine Traumwelt. Metamorphosen sind auch das Thema von »Opium für Ovid« (2000), in dem westliche Literaturtradition mit östlichem Blick betrachtet wird. Es überrascht nicht, dass die Autorin (in dem Prosastück »Zürich«, 1997) auf den Dadaismus anspielt oder auf einer Vortragsreise über Ernst Jandl spricht. Nach »Überseezungen« (2002) sowie »Sprachpolizei und Spielpolyglotte« (2007) erschien 2016 »akzentfrei«, Tawadas vierter Band mit literarischen Essays. Nach ihrer Hamburger Gastprofessur für Interkulturelle Poetik veröffentlichte sie 2012 den Vorlesungsband »Fremde Wasser«. In ihren jüngsten Romanen »Etüden im Schnee« (2014) und »Ein Balkonplatz für flüchtige Abende« (2016) lässt sie zum einen Tiere sprechen, darunter drei Generationen von Eisbären, und spürt zum anderen den Geheimnissen von Räumen, Straßen und Landschaften nach.

Tawada wurde vielfach geehrt, u.~a. mit der Goethe-Medaille, dem Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung sowie dem Kleist-Preis, und sie erhielt zahlreiche Stipendien. Aus ihrer Zusammenarbeit mit der Jazzpianistin Aki Takase entstand eine CD. Die Autorin lebt in Berlin.

[http://yokotawada.de]

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