10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Valeria Parrella  [ Italien ]

Biographie

Portrait Parrella
Copyright Parrella / C. privat

Gast des ilb 2004, 2017.

Bibliographie

Die Signora, die ich werden wollte

SchirmerGraf

München, 2005

[Ü: Constanze Neumann]

Der erfundene Freund

Wagenbach

Berlin, 2006

[Ü: Suse Vetterlein]

Zeit des Wartens

Bertelsmann

München, 2009

[Ü: Anja Nattefort]

Liebe wird überschätzt

Hanser

München, 2017

[Ü: Annette Kopetzki]

L’enciclopedia della donna

Einaudi

Turin, 2017

Valeria Parrella wurde 1974 in Torre del Greco geboren. Sie studierte Philologie und promovierte in Linguistik an der Universität von Neapel. Danach spezialisierte sie sich als Dolmetscherin für Gebärdensprache, bis sie aufgrund der schwierigen Arbeitsmarktsituation arbeitslos wurde und stattdessen anfing, in einer großen Buchhandlung und als Schauspielerin zu arbeiten.

Schon immer schrieb sie Prosatexte, und als sie sich dazu entschloss, einige von ihnen an den kleinen Verlag minimum fax zu schicken, wurde sie sofort unter Vertrag genommen. 2003 erschien der Erzählband »Mosca più balena« (dt. »Die Signora, die ich werden wollte«, 2005), für den sie den Premio Campiello für das beste Debüt erhielt. Die Protagonisten dieser sechs Erzählungen sind zumeist selbstbewusste, sensible junge Frauen. Parrella versetzt sich gekonnt in deren jeweilige Lebenssituation und lässt darüber hinaus ein lebendiges Bild von Neapel entstehen, in einem Mix aus Dialekt, Schmutz, Lärm und Camorra. Sie erzählt in raschem Tempo, kurzen Sätzen und knappen Dialogen, und das Register wechselt zwischen Dialekt und Hochsprache, wie zum Beispiel in der Titelgeschichte über eine begüterte Signora, deren Herkunft als Straßenkind immer noch ihrer Sprache anzumerken ist. Auch in ihrem zweiten Erzählband »Per grazia ricevuta« (2005; dt. »Der erfundene Freund«, 2006) gilt Parrellas Interesse vor allem unsentimentalen Frauen und ihren Alltagsproblemen in einer italienischen Großstadt. Parrellas autobiografisch motivierter erster Roman »Lo spazio bianco« (2008; dt. »Zeit des Wartens«, 2009) handelt von einer Frau, deren Kind als Frühchen geboren wird. Während das Kind um sein Überleben kämpft, ändert sich der Blick der Mutter auf ihre Umgebung und die zwischen Vitalität und Resignation zerrissene Stadt, in der sie lebt. Der Stoff wurde 2009 von Francesca Comencini verfilmt. In ihrem jüngsten Prosaband »Troppa importanza all’amore« (2015; dt. »Liebe wird überschätzt«, 2017) erzählt Parrella in unsentimentalen und humorvollen Liebesgeschichten über Menschen, die sich finden und verlieren, über Lebenslügen, falsche Liebe und echtes Begehren, über die Nächstenliebe im Alltag und eine mystische Sehnsucht.

Parrellas Kurzprosa erschien auch in den Anthologien »Pensa alla salute« (2003), »Bloody Europe« (2004), »La qualità dell’aria« (2004) sowie in Zeitschriften wie »Nuovi argomenti«, »Origine« oder »Cccattone«. Ihr Prosatext »Ciao maschio« (2009; Ü: Hallo Männlichkeit) wurde für die Bühne adaptiert, außerdem hat Parrella Texte eigens für das Theater geschrieben, darunter den Monolog »Il verdetto« (2007; Ü: Das Urteil) und das Stück »Tre terzi« (2009; Ü: Drei Drittel). Ihre Bücher wurden ins Deutsche, Schwedische, Französische und Spanische übersetzt. Seit Januar 2008 gehört Valeria Parrella der künstlerischen Leitung des Teatro Mercadante in Neapel an, wo sie auch lebt.

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