10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Stefan Hertmans  [ Belgien ]

Biographie

Hertmans, portrait
Copyright Michiel Hendryckx

Gast des ilb 2014, 2017.

Bibliographie

Amselbach

Kiepenheuer

Leipzig, 1996

[Ü: Kathrin Kötz]

Steden

Verhalen onderweg

Meulenhoff

Amsterdam, 1998

Muziek voor de overtocht

De Bezige Bij

Amsterdam, 2005

Der Himmel meines Großvaters

Hanser Berlin

Berlin, 2014

[Ü.: Ira Wilhelm]

Die Fremde

Hanser Berlin

Berlin, 2017

[Ü.: Ira Wilhelm]

www.stefanhertmans.be

Stefan Hertmans wurde 1951 in Gent geboren. Als Professor und Leiter des Studium Generale an der Hochschule Gent fokussierte er sich bis 2010 u.~a. auf Kunstkritik, Agogik und Philosophie. Außerdem unterrichtete er an der Library of Congress in Washington, der Sorbonne und der Universität von Mexiko.

Als einer der renommiertesten und einflussreichsten Autoren der niederländischen Sprache publizierte Hertmans neben mehreren Prosawerken über ein Dutzend Lyrikbände, Essaysammlungen zu kulturellen und philosophischen Themen sowie Theaterstücke. 1994 wurde sein erstes Bühnenstück »Kopnaad« am Kaaitheater in Brüssel uraufgeführt, sein neues Stück »Antigone in Molenbeek« hat dort im Oktober 2017 Premiere. Ironisch und symbolträchtig erzählt sein Roman »Naar Merelbeke« (1994; dt. »Amselbach«, 1996) eine Kindheitsgeschichte, die im fließenden Übergang zwischen Wahrnehmung und Imagination ihre ganz eigene Logik entfaltet. »Steden« (1998; Ü: Städte) kontrastiert dezidiert subjektive Impressionen verschiedener europäischer Städte. Sensibel erfasst er Stimmungen, folgt legendären Schriftstellern auf ihren Pfaden und preist die Stadt als Raum zutiefst menschlicher Kommunikation. »Music for the crossing«, eine Sammlung von rund 800 Gedichten, ist der Titel sowohl eines preisgekrönten Zyklus über Paul Cézanne, Vaslav Nijinsky, Paul Hindemith, Paul Valéry und Wallace Stevens als auch einer literarisch-musikalischen Produktion, die auf Tour ging. Auch in seinem enthusiastisch gefeierten Buch »Oorlog en terpentijn« (2013; dt. »Der Himmel meines Großvaters«, 2014) kommt der Kunst eine wichtige Rolle zu. Hertmans rekonstruiert anhand hinterlassener Notizhefte und Tagebücher die Biografie seines Großvaters. Gekonnt schildert er Szenen aus einer Kindheit in Armut, traumatische Fronterlebnisse im Ersten Weltkrieg und nicht zuletzt die passionierte Hingabe zur Malerei. Fulminant überlagern sich private Lebensläufe mit zeitgeschichtlichen Umbrüchen, Text und Bild, Vergangenheit und Gegenwart. Sein jüngster, der historische Roman »De bekeerlinge« (2016; dt. »Die Fremde«, 2017) erzählt von der Flucht einer zum Judentum konvertierten Christin, deren jüdischer Ehemann bei dem Massaker in der Synagoge von Monieux ermordet wurde. Ausgehend von einem Einzelschicksal schafft Stefan Hertmans eine literarische Rekonstruktion der Welt des 11.~Jahrhunderts mit ihren sozialen und politischen Verwerfungen und Umbrüchen.

Hertmans wurde u.~a. mit dem Belgischen Staatspreis für Lyrik, dem Ferdinand-Bordewijk-Preis, dem E. du Perron Prize und dem Preis der Königlichen Akademie für Niederländische Sprach- und Literaturwissenschaften ausgezeichnet. Für »Oorlog en terpentijn« erhielt er den Flämischen Kulturpreis für Literatur, den Inktaap und den renommierten AKO-Preis. Es stand auf der Liste der zehn besten Bücher des Jahres in der »New York Times« und im »Economist« und wurde für den Man Booker International und den Premio Strega nominiert. Hertmans lebt in der Nähe von Brüssel.

[http://www.stefanhertmans.be/sh/]

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