10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Sergio Álvarez  [ Kolumbien, Spanien ]

Biographie

Portrait Álvarez
Copyright Álvarez / JM Munera

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Mapaná

Planeta

Santafé de Bogotá, 2000

La lectora

RBA

Barcelona, 2001

35 Tote

Suhrkamp

Berlin, 2011

[Ü: Marianne Gareis]

Der kolumbianische Schriftsteller und Journalist Sergio Álvarez wurde 1965 in Bogotá geboren. Er studierte Philosophie, lebte einige Jahre im kolumbianischen Orinoco-Tiefland, den Llanos Orientales, arbeitete dann in der Werbe,- Fernseh- und Kinobranche und begann schließlich mit dem Schreiben.

Mit »Mapaná« (2000) legte Álvarez ein Jugendbuch vor, in dem er einen Generationenkonflikt im Amazonasgebiet Kolumbiens schildert und auch auf die dort bestehenden Umweltprobleme eingeht. Sein Roman »La lectora« (2001; Ü: Der Leser), für den er den Silverio-Cañada-Preis erhielt und der für das kolumbianische Fernsehen verfilmt wurde, handelt von einer Entführung, der U-Bahn von Bogotá, dem Drogenhandel und dem schnellen Geld. In einem Personenreigen treffen lebenshungrige Jugendliche, ziellose Attentäter, Taxifahrer, Prostituierte und Drogenhändler aufeinander. Jeder von ihnen scheint hoffnungslos einem Abgrund entgegenzustolpern, und gleichzeitig symbolisieren sie alle die Turbulenzen der kolumbianischen Gegenwart. Seinen jüngsten Roman »35 muertes« (2011; dt. »35~Tote«, 2013) veröffentlichte Álvarez nach zehn Jahren Recherche, die ihn an verschiedene Orte in Kolumbien führte. Dabei recherchierte er vor allem die Gewalterfahrungen der Menschen und ließ sie in seinen Roman einfließen, der zwischen 1964 und 1999 spielt und von der Geschichte Kolumbiens, der Entstehung von Guerillagruppen und der Zuspitzung des Drogenhandels zu einem Bürgerkrieg erzählt. »Der Protagonist hat keinen Namen, denn er ist eine Metapher für alle Kolumbianer. […] Die Gewalt kommt nicht nur von außen, sondern sie folgt auch daraus, dass wir Kolumbianer nicht wissen, wer wir sind.« Der Protagonist wird nicht nur in einer Nacht der Gewalt gezeugt, nachdem sein Vater einen Soldaten getötet hat, er lässt sich im Laufe der Erzählung auch immer wieder auf Gewaltakte ein. Nach dem Selbstmord seines Vaters wächst er bei der Schwester seiner Mutter in einer kommunistisch orientierten Kommune der siebziger Jahre auf. Seine weitere Existenz ist geprägt von politischen Kämpfen, Drogenhandel, Überfällen, Trinkgelagen und einem harten Überlebenskampf. Als Nebenhandlung treten in kleinen Episoden viele weitere, realistisch und glaubwürdig agierende Figuren auf. Álvarez schreibt die Dialoge in einer kraftvoll rhythmisierten Umgangssprache und erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Durch diese Vielstimmigkeit, der es auch an Humor nicht mangelt, entsteht ein plastisches Bild der kolumbianischen Gesellschaft.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit schreibt Álvarez für die spanischen Tageszeitungen »El País« und »La Vanguardia«. Er lebt in Barcelona und Bogotá.

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