10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Raoul Schrott  [ Österreich ]

Biographie

Schrott, portrait
Copyright Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2011, 2017.

Bibliographie

Die Erfindung der Poesie

Gedichte aus den ersten viertausend Jahren

[als Hg.]

Eichborn

Frankfurt a. M., 1997

Tristan da Cunha oder Die Hälfte der Erde

Hanser

München/Wien, 2015

Die Kunst an nichts zu Glauben

Hanser

München/Wien, 2005

Homer, Ilias

[als Ü.]

Hanser

München, 2008

Erste Erde. Epos

Hanser

München, 2016

Raoul Schrott wurde 1964 geboren und wuchs in Tirol, Tunis und Zürich auf. Er studierte Literatur- und Sprachwissenschaft in Norwich, Paris und Berlin, war 1986 bis 1987 Sekretär von Philippe Soupault in Paris, promovierte über »Dada 1921−1922« und habilitierte sich über Poetik 1998 am Institut für Komparatistik in Innsbruck. In seiner vier Jahrtausende umfassenden Anthologie »Die Erfindung der Poesie« (1997) breitet er die Entstehung ihrer Formen aus.

Sein Werk umfasst unterschiedlichste Genres. Zwischen 1995 und 2015 erschienen seine Romane »Finis Terrae«, der fiktionale Reisebericht eines Archäologen, »Tristan da Cunha«, eine Insel im Südatlantik als Sehnsuchtsort von vier Protagonisten, deren Lebenslinien sich dort kreuzen, die Kurzgeschichte »Khamsin«, die Novelle »Die Wüste Lop Nor«, die Erzählung »Das Schweigende Kind« sowie die Gedichtbände »Hotels«, »Tropen. Über das Erhabene«, »Weissbuch. Über das Heilige« und »Die Kunst an nichts zu glauben«. Viele seiner Texte führen die Natur einerseits als Korrelat der conditio humana, andererseits als Projektionsfläche unserer Psychologien vor. »Die Physis der Natur ist das einzige wirkliche Gegenüber, mit dem sich die Dichtung wieder und wieder auseinandersetzt, wenn ihr an Wahrheit etwas liegt.« Mit seiner Essaysammlung »Handbuch der Wolkenputzerei« (2005) erweist sich Schrott nicht nur als Theoretiker des dichterischen Handwerks, sondern auch als Kritiker des Feuilletons: »Es herrscht eine Dialektik des Geschmäcklerischen, die enthusiastisch über das Werk hinwegsieht.« Tatsächlich wurde gerade er vor allem für seine Übersetzungen~– etwa des Epos von »Gilgamesh« (2001)~− häufig kritisiert, was Raoul Schrott oft zum Anlass für einen leidenschaftlichen Disput mit seinen Kritikern nahm. 2005 bis 2008 arbeitete er an einer Neuübertragung der »Ilias«; 2007 erschienen seine vieldiskutierten Thesen zu Homer und Troja »Homers Heimat. Über die realen Hintergründe des trojanischen Krieges«, ergänzt 2015 durch eine Neuinterpretation des Werkbeginns. 2011 veröffentlichte er in Zusammenarbeit mit dem Neurowissenschaftler Arthur Jacobs »Gehirn und Gedicht. Wie wir unsere Wirklichkeiten konstruieren«, in dem sie die kognitive Basis der literarischen Ausdrucksformen herausstellen. »Erste Erde Epos« (2016) arbeitet unser heutiges Wissen vom Urknall über die Entstehung der Erde, des Lebens und des Menschen auf. Anhand von Reisen zu den Fundstellen, an denen sich die Evolution des Universums ablesen lässt, und der Lebensgeschichten einzelner Figuren~– Forscher, Wissenschaftler, Künstler~– entwirft Schrott ein großes erzählerisches Panorama, in dem die Frage nach unserer ethischen Verortung und einem modernen Menschenbild im Mittelpunkt steht.

Raoul Schrott wurde u.~a. mit dem Preis des Landes Kärnten beim Bachmann-Wettbewerb, dem Berliner Literaturpreis, dem Peter-Huchel-Lyrikpreis, dem Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreis und dem Joseph-Breitbach-Preis geehrt. Er lebt heute in Österreich.

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