10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Petina Gappah  [ Simbambwe, Schweiz ]

Biographie

Gappah, portrait
Copyright Bathsheba Okwenje

Gast des ilb 2016, 2017.

Bibliographie

An Elegy for Easterly

Faber and Faber

London, 2009

Die Farben des Nachtfalters

Arche Literatur Verlag

Zürich/Hamburg, 2016

[Ü: Patricia Klobusiczky]

Die Schuldigen von Rotten Row

Arche Literatur Verlag

Zürich/Hamburg, 2017

[Ü: Patricia Klobusiczky]

Petina Gappah, »ein aufsteigender Stern der Literatur von Zimbabwe«, wie J.~M. Coetzee sie nannte, wurde 1971 in Zambia geboren und wuchs in Simbabwe auf. Obwohl sie Schriftstellerin werden wollte, studierte sie Jura an der University of Zimbabwe und in Cambridge, promovierte in Graz und machte sich einen Namen als internationale Anwältin, spezialisiert auf die Welthandelsorganisation in Genf. Zuletzt vertrat sie die Interessen von mehr als siebzig Entwicklungsländern.

Ihre literarischen Werke verfasst Gappah in englischer Sprache, greift dabei aber auch auf ihre Muttersprache Shona zurück. 2009 legte sie einen Band mit 13~Kurzgeschichten über ein Simbabwe des ökonomischen und politischen Zusammenbruchs vor, »An Elegy for Easterly« (Ü: Elegie des Östlichen), der international positiv aufgenommen, für Preise~– u.~a. den Orwell Prize~– in vier verschiedenen Ländern nominiert und mit dem Guardian First Book Award ausgezeichnet wurde. Bereits in ihrem Debüt entwickelte Gappah den für sie typischen Galgenhumor: Oft ist das Lachen die einzige Waffe der Opfer von Ungerechtigkeit, und es ist der Humor angesichts all der Tragik, der Gappahs Erzählungen so bemerkenswert macht. Ihr erster Roman »The Book of Memory« (2015; dt. »Die Farben des Nachtfalters«, 2016) spielt im berüchtigten Chikurubi-Gefängnis und erzählt von der Albino-Frau Memory, die ihren weißen Adoptivvater ermordet haben soll und in der Todeszelle ihre Erinnerungen aufschreibt. In Form eines Briefromans berichtet Gappah von Memorys dramatischer Kindheit und lotet das Verhältnis von Schicksal und eigenen Entscheidungen sowie die erlösende Kraft der Liebe aus. Gappahs ausgeprägtes Interesse am Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit wiederum kommt in ihrem jüngsten Erzählband »Rotten Row« (dt. »Die Schuldigen von Rotten Row«, 2017) zum Ausdruck. Inspiriert von Ferdinand von Schirach und John Mortimer, testet sie hier mit handwerklicher Geschicklichkeit die Möglichkeiten der künstlerischen Form der Kurzgeschichte aus. Schonungslos und doch humorvoll beleuchtet sie das Verbrechen in allen seinen Facetten und konzentriert sich dabei mal auf die Täter oder die Auslöser der Tat, mal auf die Opfer oder die Vollstrecker. Das breite Figurenpanorama umfasst einen alternden rhodesischen Henker, einen korrupten Polizisten, hartgesottene Friseure, zankende Marktfrauen, hinterhältige Anwälte und zynische Mitarbeiter einer NGO. Der Schriftsteller Colson Whitehead sagte, dass es Gappah mit diesem Werk, das auch als Panoptikum im Sinne Hogarths beschrieben wurde, gelungen sei, »für Harare das zu tun, was Dickens mit seiner Beschreibung des Viktorianischen Londons erreicht hatte, mit beißendem Witz und Inbrunst«.

2017 ist Petina Gappah Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD und arbeitet an einem Roman über die neunmonatige Reise, auf der die afrikanischen Weggefährten des schottischen Forschers David Livingstone seine Leiche aus dem Inneren Afrikas bis an die Ostküste transportierten.

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