10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Perumal Murugan  [ Indien ]

Biographie

Portrait Murugan
Copyright Murugan / C. Schreiber

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Eru Veyyil

Kalachuvadu

Nagercoil, 1991

Current Show

Tara Books

Chennai, 2004

[Ü: V. Geetha]

Seasons of the Palm

Tara Books

Chennai, 2004

[Ü: V. Geetha]

One Part Woman

Peguin India

Gurgaon, 2014

[Ü: Aniruddhan Vasudevan]

Pyre

Peguin India

Gurgaon, 2016

[Ü: Aniruddhan Vasudevan]

Perumal Murugan wurde 1966 in der Nähe von Tiruchengodu, einer indischen Tempelstadt, in eine Bauernfamilie geboren. Die größte agrarische Kaste der Region Kongu Nadu sind die Gounders, zu denen Murugans Familie gehörte. Da sein Vater die Familie nicht allein von der Landwirtschaft ernähren konnte, arbeitete er als Sodawasser-Verkäufer in einem Kino. Murugan entwickelte früh ein Interesse für Literatur und schrieb Texte zu Kinderliedern, von denen viele in einem Kinderprogramm des All India Radio in Trichy gesendet wurden. Er studierte tamilische Literatur in Erode und Coimbatore und kam 1988 nach Chennai, wo er promovierte und mit einer Splittergruppe der Kommunistischen Partei Indiens~– Makkal Kalachara Kazhagam (Ma Ka Ka)~– in Berührung kam. Bei seinen Studien marxistischer Texte traf er die Entscheidung, eigene Werke vor allem über das Leben in seiner Region und seine unmittelbaren Erfahrungen zu schreiben.

Zwischen 1988 und 1991 veröffentlichte Murugan über ein Dutzend Kurzgeschichten in der Zeitschrift »Mana Oosai«, die ihn zu einer wichtigen neuen Stimme der tamilischen Literatur machten. Sie beschreiben detailliert die Lebenswelt seiner Heimat, die Gewinnung von Ackerland oder das Kochen von Hirse über einem Holzfeuer und verleihen seinen Protagonisten damit eine anschauliche Würde und Vitalität. 1991 schrieb er den ersten von bislang zehn Romanen »Eru Veyyil« (Ü: Steigende Hitze). Erzählt wird aus der Perspektive des jüngsten Sohns einer Bauernfamilie, die unter dem Druck der Urbanisierung zerreißt. Auch Murugans zweiter Roman »Nizhal Mutram« (1993; engl. »Current Show«, 2004) beruht auf seinen Kindheitserfahrungen in den 1970er Jahren. Der Roman wurde für seine realitätsnahe und offene Darstellung der Lebenswelt des Protagonisten, seiner Alltagsfreuden und seines Freiheitsgefühls gelobt. Murugans dritter Roman »Koolamadari« (2000; engl. »Seasons of Palm«, 2004), 2005 für den Kiriyama-Preis nominiert, erzählt die Abenteuer eines jungen Ziegenhirten aus der Chakkili-Kaste, der in einem Gounder-Haushalt die Schuld seines invaliden Vaters abarbeitet. Nachdem Hindutva-Anhänger seinen Roman »Madhurobhagan« (2010; engl. »One Part Woman«, 2014), in dem er über das Problem der Kasten-Trennung eines kinderlosen Ehepaars schreibt, als blasphemisch diffamiert hatten, kündigte Murugan 2015 auf seiner Facebook-Seite an, mit dem Schreiben aufzuhören. 2016 entschied das Madras High Court, es habe keinen verpflichtenden Grund für ihn gegeben, sich für seine Bücher zu entschuldigen und sie zurückzuziehen, und forderte den Staat auf, Künstlern und Literaten einen angemessenen Schutz vor derartigen Angriffen zu bieten.

Murugan ist Professor für Tamilisch an der Staatlichen Kunsthochschule in Attur (Salem) und hat fünf Lyriksammlungen und sechs Sachbücher zu Sprache und Literatur veröffentlicht.

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