10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Nicol Ljubić  [ Deutschland ]

Biographie

Portrait Ljubic
Copyright Ljubić / C. Jens Oellermann

Gast des ilb 2010, 2017.

Bibliographie

Mathildas Himmel

Eichborn

Frankfurt a. M., 2002

Genosse Nachwuchs

Wie ich die Welt verändern wollte

DVA

München, 2004

Heimatroman oder

Wie mein Vater ein Deutscher wurde

DVA

München, 2006

Meeresstille

Hoffmann und Campe

Hamburg, 2010

Schluss mit der Deutschenfeindlichkeit

Hoffmann und Campe

Hamburg, 2012

Als wäre es Liebe

Hoffmann und Campe

Hamburg, 2012

Ein Mensch brennt

dtv

München, 2017

Nicol Ljubić wurde 1971 in Zagreb geboren. Aufgewachsen in Griechenland, Schweden und Russland, studierte er in Deutschland Politikwissenschaft und besuchte die Henri-Nannen-Schule in Hamburg. Bereits 1999 tat er sich mit der Reportage »Menschliche Überreste, 110 Kilogramm« hervor, die ihm den Hansel-Mieth-Preis für engagierten Journalismus einbrachte. Neben Zeitungen arbeitete Ljubić auch fürs Radio und trat 2003 in die SPD ein. Aus diesem politischen Selbstversuch entstand 2004 »Genosse Nachwuchs«, ein dokumentarisches Buch über politische Basisarbeit und den eigenen Willen, gesellschaftlich etwas zu bewirken.

Die Frage nach der eigenen Identität und ihrer Wirkmächtigkeit hatte ihn 2002 in gänzlich anderer Weise zu seinem Debütroman »Mathildas Himmel« inspiriert. Diese eindringliche Erzählung vom Erwachsenwerden Mathildas, deren Himmel sich erst weitet, als sie den Schmerz ihrer Erfahrungen anerkennt, wartet mit präzisen Sätzen und einem erstaunlichen Gespür für Stimmungen und Zwischentöne auf. Dass Ljubić die Geschichten von Personen in all ihren Facetten interessieren, bezeugt er in meisterhafter Weise mit seinem biografischen »Heimatroman oder Wie mein Vater Deutscher wurde« (2006), der den Weg seines Vaters Drago Ljubić vom Automechaniker in Zagreb über Frankreich bis hin zum Flugzeugtechniker der Lufthansa in Deutschland beschreibt. Die Rückkehr an die Orte seiner Vergangenheit wird detailliert und liebevoll geschildert, der Vater als komplexe und vielseitige Figur im Prozess der Migration und Integration bildet aber zugleich auch die Folie für die Geschichte des Sohnes als Kind jener Einwanderer der sechziger Jahre. In »Meeresstille« (2010) thematisiert der Autor Massaker im Bosnienkrieg sowie Fragen der individuellen Schuld und biografischen Aufarbeitung der Nachgeborenen. In ruhiger, nachdenklicher und erneut am Dokumentarischen orientierter Schreibweise gelingt ihm das faszinierende Porträt eines Konflikts, der nicht auf dem Balkan endet, sondern in den Herzen der Kinder traumatisierend fortwirkt. Für den Roman erhielt Ljubić den Ver.di-Literaturpreis Berlin-Brandenburg sowie den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis. 2012 gab er mit der Anthologie »Schluss mit der Deutschenfeindlichkeit« 17~Beiträge »deutscher Autoren mit Migrationshintergrund« heraus~– als Beitrag zur Debatte über Heimat, Herkunft und ihre Identität. Im selben Jahr erschien sein Roman »Als wäre es Liebe«, in dem er in Anlehnung an die Geschichte des Mörders Heinrich Pommerenke über einen Frauenmörder in der deutschen Nachkriegsgesellschaft erzählt. Auch in seinem jüngsten Roman »Ein Mensch brennt« (2017) geht es um eine reale Person der jüngeren Geschichte~– den Tübinger Lehrer Hartmut Gründler, der sich aus Protest gegen die Atompolitik der Bundesregierung 1977 selbst verbrannte. Im Mittelpunkt stehen die Folgen, die der Protest des kompromisslosen Idealisten für die Familie seines Vermieters hatte.

Nicol Ljubić lebt in Berlin.

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