10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Nico Bleutge  [ Deutschland ]

Biographie

Porträt Nico Bleutge
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2009, 2017.

Bibliographie

klare konturen

C. H. Beck

München, 2006

fallstreifen

C. H. Beck

München, 2008

fischhaare finden

[Ill.: Max Marek]

Edition Sutstein

Berlin, 2012

verdecktes gelände

C. H. Beck

München, 2013

nachts leuchten die schiffe

C. H. Beck

München, 2017

Nico Bleutge wurde 1972 in München geboren. Er wuchs in Pfaffenhofen an der Ilm auf und studierte von 1993 bis 1998 Neuere Deutsche Literatur, Allgemeine Rhetorik und Philosophie in Tübingen.

2006 debütierte er mit dem Gedichtband »klare konturen«. Mit seinen brisanten und scharfsinnigen Texten, die sich der Ausforschung der sinnlichen Wahrnehmung, dem Sehen, Hören, Tasten, Sprechen widmen, hat Bleutge ein »Archiv des Augenblicks« (»Neue Zürcher Zeitung«) geschaffen. Bleutge definiert auch das Landschaftsgedicht neu, einzelne Elemente fügen sich nicht zu kompakten Bildern, sondern stehen singulär für sich. Die betrachteten Dinge werden von Sprachrastern und Symbolüberfrachtung befreit. Ausgehend von der Wahrnehmung der Sinne, die sich hier als neues Subjekt zeigen, bietet sich dem lyrischen Ich auch Raum für Reflexionen. So münden die Betrachtungen eines Parks im Potsdam-Zyklus in Gedanken über historische Spuren. Im folgenden Band »fallstreifen« (2008) geht Bleutge über die Fokussierung auf sinnliche Wahrnehmung hinaus und folgt dem Rhythmus sprachlicher Impulse, mit denen Erinnern und Gedächtnis verknüpft sind. Ausgehend von Landschaften und der eigenen Geschichte, erkundet er mnemonische Felder, dringt vor zu historischen Schichten bis in die Zeiten des Barocks. Wie auch in den Landschaftsbetrachtungen des Debüts fügen sich die Splitter nicht zu einem Ganzen, bleibt die Formlosigkeit des Erinnerns gewahrt. In seinem Gedichtband »verdecktes gelände« (2013) bewegt sich Bleutge wiederum mit geschärfter Wahrnehmung in den Grenzzonen von Bewusstsein und Welt, taucht ein in die Tiefen von Träumen, in Geschichte und Literatur. Musikalisch komponierte Naturbilder lassen die Landschaftslyrik, die Texte über zersiedelte Kulturlandschaften zur »Geländelyrik« (»Süddeutsche Zeitung«) werden. In seinem jüngsten Band »nachts leuchten die schiffe« (2017) formen sich die Texte aus eigenen und fremden Sprachfetzen und werden zur Quelle, aus der Bleutge seine Sprach- und Klangbilder formt. Bleutges Gedichte erschienen außerdem in zahlreichen Anthologien und Literaturzeitschriften. Bei der Verleihung des Eichendorff-Literaturpreises 2015 sagte der Laudator Tobias Lehmkuhl: »Darin sind die Gedichte Nico Bleutges denen Joseph von Eichendorffs verwandt: Dass ihre vermeintliche Leichtigkeit, der leise Ton, in dem sie daherkommen, wahr ist und warm und wie für die Jahrhunderte geschaffen.«

Bleutge wurde zudem u.~a. mit dem Anna Seghers-Preis (2006), dem Erich-Fried-Preis (2012) und dem Alfred-Kerr-Preis (2016) ausgezeichnet. Seit 2001 schreibt er für die »Süddeutsche Zeitung«, die »Neue Zürcher Zeitung«, den »Tagesspiegel« und die »Stuttgarter Zeitung« als freier Literaturkritiker. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Der Autor lebt in Berlin.

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