10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2017 / Nadifa Mohamed

Nadifa Mohamed  [ Somalia, Großbritannien ]

Biographie

Portrait Mohamed
Copyright Mohamed / C. Sabeen Hussain

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Black Mamba Boy

C.H.Beck

München, 2015

[Ü: Susann Urban]

Der Garten der verlorenen Seelen

C.H.Beck

München, 2014

[Ü: Susann Urban]

Die somalisch-britische Schriftstellerin Nadifa Mohamed wurde 1981 in Hargeisa geboren. Im Alter von drei Jahren kam sie mit ihrer Familie nach London. Wegen der Bürgerkriegswirren in ihrer Heimat wurde aus dem vorübergehenden Aufenthalt ein dauerhaftes Exil, und Nadifa Mohamed studierte Politik und Geschichte in Oxford.

Früh wurde ihr Interesse an der Geschichte ihres Vaters geweckt, der als Kind eine wenig bekannte, kaum beschriebene Zeit des britischen Kolonialreichs miterlebte: 1925 im Jemen geboren, geriet er als Kind in die kriegerischen Auseinandersetzungen am Horn von Afrika, als Mussolinis Truppen Äthiopien unterwerfen wollten und diktatorisch den größten Teil des heutigen Somalias beherrschten. Nadifa Mohamed fragte ihren Vater aus, studierte historische Quellen, fand die Autobiografie eines somalischen Seemanns, der 1948 in einer Gemeinschaft von Anarchisten gelebt hatte, und besuchte Eritrea und Dschibuti. Nach diesen weitreichenden Recherchen schrieb sie ihren ersten Roman »Black Mamba Boy« (2010; dt. 2015), für den sie u.~a. mit dem Dylan Thomas Award ausgezeichnet wurde. Ihre Schilderungen sind realitätsnah, dicht und nuancenreich. Eindringlich und berührend wird das Schicksal eines kleinen Jungen beschrieben, der seinen von somalischen Nomaden abstammenden Vater sucht. Ihr zweiter Roman »The Orchard of Lost Souls« (2013; dt. »Der Garten der verlorenen Seelen«, 2014) steht dem Debüt thematisch nahe und brachte Mohamed auf die Liste der zwanzig »Best of Young British Novelists« des Literaturmagazins »Granta«. Der Roman spielt in der Zeit des Bürgerkriegs 1987 in Somalia, als der Schein der Unabhängigkeit einer einheitlichen somalischen Nation nicht mehr aufrechtzuerhalten ist und sich eine Militärherrschaft entwickelt. Es geht um die Versuche dreier Frauen~– eines Straßenmädchens, einer Witwe, die ihre Tochter verloren hat, und einer Soldatin~–, in diesem Krieg zu überleben. In einem Interview sagte Nadifa Mohamed dem »Deutschlandfunk«: »Es gibt eine Menge Bücher, die von somalischen, von muslimischen, von afrikanischen Frauen handeln, die einfach nur die verschiedenen Arten aufzählen, wie sie missbraucht werden, und das lässt sie vollkommen ohnmächtig erscheinen. Doch so sind sie nicht. Wir sind nicht ohnmächtig. Was immer wir tun können, um unser Leben zu ändern, das tun wir auch.« Als Schriftstellerin hat Mohamed mit dem zweiten Roman an Souveränität gewonnen und zeigt die Reife einer lyrischen Prosa mit detaillierter Personenzeichnung. Für »The Orchard of Lost Souls« wurde Nadifa Mohamad 2014 mit dem Somerset Maugham Award ausgezeichnet.

Sie lebt in London.

abgelegt unter: