10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Nadeem Aslam  [ Pakistan, Großbritannien ]

Biographie

Portrait Aslam
Copyright Aslam / C . Richard Lea-Hair

Gast des ilb 2014, 2017.

Bibliographie

Season of the Rainbirds

André Deutsch

London, 1993

Atlas für verschollene Liebende

Rowohlt

Reinbek, 2005

[Ü: Rosetta Stein]

Das Haus der fünf Sinne

Rowohlt

Reinbek, 2010

[Ü: Bernhard Robben]

Der Garten des Blinden

DVA

München, 2014

[Ü: Bernhard Robben]

Die goldene Legende

DVA

München, 2017

[Ü: Bernhard Robben]

Nadeem Aslam wurde 1966 in der pakistanischen Metropole Gujranwala geboren. Während des Regimes von Generals Zia-ul-Haq musste die Familie, als er 14~Jahre alt war, aufgrund der politischen Überzeugungen des Vaters, eines Publizisten und Filmemachers, emigrieren und siedelte ins englische Huddersfield in West Yorkshire über. An der University of Manchester studierte er mehrere Semester Biochemie sowie Literaturwissenschaft, gab das Studium allerdings zugunsten seiner Schriftstellerkarriere auf.

Bereits in seinem Debüt »Season of the Rainbirds« (1993; Ü: Der Zeit der Regenvögel) beweist Aslam mit der Auffächerung der gesellschaftlichen Schichten in Pakistan erzählerische Raffinesse: Ein Zugunglück in der Provinz fördert einen beinahe zwei Jahrzehnte verschollenen Postsack zutage. Die verloren geglaubten Briefe offenbaren jene Klüfte, die sich zwischen den Zeitebenen sowie den individuellen Haltungen der Dorfbewohner auftun. Damit gelingt Aslam nicht nur ein vielschichtiges Porträt des politisch wie religiös zerrissenen Landes; viel essenzieller noch, illustriert er dadurch den Abgleich der Realitäten mittels der Schrift. Für seinen zweiten Roman »Maps for Lost Lovers« (2004; dt. »Atlas für verschollene Liebende«, 2005) wählt er abermals einen isolierten Schauplatz, um die Abgründe religiös motivierter Gewalt zu reflektieren. Am Ehrenmord in einer kleinen englischen Stadt werden facettenreich divergierende Auffassungen von Liebe, Glaube und Justiz verhandelt. »The Wasted Vigil« (2008; dt. »Das Haus der fünf Sinne«, 2010) verdichtet die Geschichte Afghanistans vom Einmarsch der Sowjetunion bis zur Terroristensuche in Tora-Bora im Aufeinandertreffen der Romanfiguren: Liebenden und Kämpfern mit ihren jeweils eigenen Überzeugungen und ihrem jeweiligen Verlust. »The Blind Man’s Garden« (2013; dt. »Der Garten des Blinden«, 2014) greift die punjabische Tragödie »Heer Ranjha« auf und lässt sie neu interpretiert vor dem Hintergrund des Kriegs gegen den Terror in die Handlung einfließen. In Rezensionen als ausgereiftestes Werk Aslams gefeiert, wurde der Roman für die Shortlist des DSC Prize for South Asian Literature 2014 nominiert. Aslams jüngster Roman »The Golden Legend« (2017; dt. »Die goldene Legende«, 2017) spielt im Pakistan der Gegenwart und reflektiert mit seiner Geschichte von einer muslimischen Witwe und ihrem christlichen Nachbarn, deren Gemeinschaft von gewalttätiger, religiöser Intoleranz überschattet wird, die Überlebensstrategien unter den Bedingungen von Gewalt, Korruption und Terrorismus.

Aslam wurde u.~a. mit dem Betty Trask Award, dem Author’s Club First Novel Award, dem Encore Award, dem Kiriyama Pacific Rim Book Prize und dem Windham-Campbell Literature Prize der Yale University ausgezeichnet. 2006 war er außerdem auf der Shortlist der British Book Awards sowie des renommierten International IMPAC Dublin Literary Award vertreten. Aslam lebt in London.

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