10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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László Krasznahorkai  [ Ungarn, Deutschland ]

Biographie

Portrait Krasznahorkai
Copyright Lásló Krasznahorkai / C. Ornan Rotem

Gast des ilb 2002, 2008, 2010, 2014, 2017.

Bibliographie

Satanstango

Rowohlt

Reinbek, 1990

[Ü: Hans Skirecki]

Melancholie des Widerstandes

Ammann

Zürich, 1992

[Ü: Hans Skirecki]

Krieg und Krieg

Ammann

Zürich, 1999

[Ü: Hans Skirecki]

Im Norden ein Berg, im Süden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluß

Ammann

Zürich, 2005

[Ü: Christina Viragh]

Seiobo auf Erden

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2010

[Ü: Heike Flemming]

Die Welt voran

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2015

[Ü: Heike Flemming]

The Manhattan Project

Sylph

London, 2017

László Krasznahorkai wurde 1954 im ungarischen Gyula geboren. Er studierte Jura in Szeged, später Hungaristik in Budapest. Mit »Sátántangó« (1985; dt. »Satanstango«, 1990) legte er seinen Debütroman vor, der~– nach seinem Drehbuch~– 1994 von Béla Tarr verfilmt wurde. Aus der Zusammenarbeit zwischen Autor und Regisseur entstanden vier weitere Verfilmungen von Krasznahorkais Romanen sowie aus seiner Kurzprosa »Das Turiner Pferd«, den Tarr zu seinem letzten Film erklärte.

Krasznahorkai entwirft in seinen Werken eine Welt ohne klassische Helden. Die Protagonisten handeln wie Marionetten, deren Schnüre irgendwo im Dunkeln zusammenlaufen. Es sind tiefgründige Einzelgänger und rastlose Ausreißer. Kafka scheint nicht nur für jenen Menschentypus Pate gestanden zu haben, sondern auch für die stilistische Konsequenz und albtraumhafte Geschlossenheit der Romane. Als den »großen Lichtausmacher am Ende des Jahrtausends« bezeichnete die »Süddeutsche Zeitung« Krasznahorkai nach der Veröffentlichung seines Romans »Háború és háború« (1999; dt. »Krieg und Krieg«, 1999). Der Oberarchivaranwärter Korin unternimmt eine Reise aus der heimatlichen Provinzstadt nach New York, um dort, im »Zentrum des Lebens«, zu sterben. Dabei streift er auf vielen Stationen die Vergangenheit des Abendlandes, von Kreta und Rom bis hin zu den Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen. Überall findet er neue Strophen für seinen Abgesang, und nur der Gedanke an ein in seinen Mantel eingenähtes Manuskript lässt ihn hoffen, dass die Reise einen Sinn hat. Krasznahorkais Roman »Eszakról hegy, Délről tó, Nyugatról utak, Keletről folyó« (2003; dt. »Im Norden ein Berg, im Süden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluß«, 2005) spielt in Japan. Hier verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Transzendenz, um den Leser zusammen mit dem Enkel des Prinzen Genji~– einer historischen Romanfigur~– zum »schönsten Garten« zu führen, einem Zwischenreich der Meditation und Literatur. Krasznahorkais Erzählband »Seiobos auf Erden« (2010), der im Titel auf eine japanische Göttin anspielt, begibt sich auf die Suche nach Vollkommenheit und Schönheit. »Megy a világ« (2013; dt. »Die Welt voran«, 2015) ist eine Sammlung von 21 kurzen Prosastücken, die mit ausdrucksstarken Bildern und einer musikalischen Sprache die Orientierungslosigkeit des modernen Menschen thematisieren. Für den Foto-Essay-Band »The Manhattan Project« (2017) begab sich Krasznahorkai zusammen mit dem Fotografen Ornan Rotem in New York auf die Spuren von Herman Melville, dessen Schicksal ihn zu einem neuen Roman inspirierte.

Krasznahorkai wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, u.~a. dem Tibor-Déry-Preis, dem Bestenliste-Preis des SWR, dem Kossuth- und dem Sándor-Márai-Preis, dem »Brücke Berlin«- und dem Spycher-Preis sowie mit dem Man Booker International Prize 2015. Der Autor lebt in Berlin.

[http://www.krasznahorkai.hu/index.html]

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