10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Juan Gómez Bárcena  [ Spanien ]

Biographie

Portrait Bárcena
Copyright Bárcena / C. Isabel Wagemann

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Los que duermen

Salto de Página

Madrid, 2012

Der Himmel von Lima

Secession

Zürich, 2016

[Ü: Steven Uhly]

Kanada

Sexto Piso

Madrid, 2017

Secession

Zürich, 2018

[Ü: Steven Uhly]

Der spanische Autor, Literaturkritiker und Dozent Juan Gómez Bárcena wurde 1984 in Santander geboren. Er studierte Literaturtheorie und Vergleichende Literaturwissenschaft sowie Geschichte an der Universidad Complutense in Madrid und ergänzte seine Studien durch das Fach Philosophie an der Nationalen Fernuniversität (UNED).

Sein erster Erzählband »Los que duermen« (Ü: Diejenigen, die schlafen) erschien 2012. Zwei Jahre später brachte er seinen von der Kritik hochgelobten ersten Roman »El cielo de Lima« (2014; dt. »Der Himmel von Lima«, 2016) heraus. Der Text, der in vier nach Genres und Gattungen benannte Kapitel (Komödie, Liebesgeschichte, Tragödie, Gedicht) eingeteilt ist, erzählt eine berühmte Episode der spanischen Literaturgeschichte aus dem Jahr 1904: vom Briefwechsel zwischen dem spanischen Dichter Juan Ramón Jiménez und seiner fiktiven Verehrerin in Lima, die eine Erfindung von zwei reichen, peruanischen Möchtegern-Dichtern ist. Weil sie an ein signiertes Exemplar der neuesten Publikation des Schriftstellers kommen wollen, schreiben sie im Namen der erfundenen jungen Dame an den späteren Literatur-Nobelpreisträger. Jiménez ist von den Briefen der vermeintlichen Schönen in den Bann geschlagen und schreibt ihr zurück. So entspinnt sich ein lang anhaltender Briefwechsel über den Ozean hinweg. Außerdem wird die schöne Unbekannte zur Muse des Dichters, der ihr seine Gedichte widmet. Bárcenas Debüt ist jedoch mehr als ein Schelmenroman. Mit sprachlicher Präzision und erzählerischer Leichtigkeit geht er auch auf die gesellschaftlichen Verhältnisse im Lima Anfang des 20.~Jahrhunderts ein, streicht die Untrennbarkeit von Leben und Literatur heraus, und er zeigt auch, wie Leser sich vor dem Hintergrund der Bedeutungslosigkeit des eigenen Lebens von Literatur verführen lassen und sich in ihr verlieren können. »Denken Sie nur: Die Deutschen, die so pragmatisch sind, schießen sich wegen der Liebe in den Kopf; nun ja, wegen Goethe, versteht sich.« 2017 erschien Bárcenas Roman »Kanada« (dt. 2018), der von einem Überlebenden des Holocaust handelt. Da die Zeit nicht genau eingegrenzt wird, legt Bárcena hier wie auch in anderen Texten die Zirkularität von historischen Abläufen nahe: »Mein Thema als Schriftsteller ist die Zeit. Ich glaube an ihre zyklische Natur, dass der Mensch nicht viel ändert und die Geschichte eine ewige Wiederholung ist.«

Bárcena wurde für seine Werke mit mehreren spanischen Literaturpreisen geehrt. Er ist Herausgeber einer Sammlung von Erzählungen junger Autoren unter dreißig Jahren und lehrt Kreatives Schreiben in Madrid, wo er auch lebt.

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