10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Jon Walter  [ Großbritannien ]

Biographie

Portrait Walter
Copyright Jon Walter /C. privat

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Jenseits des Meeres

Carlsen

Hamburg, 2015

[Ü: Martina Tichy]

Mein Name ist nicht Freitag

Carlsen

Hamburg, 2017

[Ü: Josefine Haubold]

Jon Walter, geboren in London, studierte Englisch und Theaterwissenschaft und verkaufte danach T-Shirts auf dem Brighton Pier.

Nachdem er sich als Fotojournalist einen Namen gemacht hatte, legte er mit »Close to the Wind« (2014; dt. »Jenseits des Meeres«, 2015) seinen ersten Jugendroman vor, angesiedelt in einem Bürgerkriegsland. Am Hafen, der in Flammen steht, gibt es nur ein Flüchtlingsschiff, und der Preis für die Überfahrt ist für die meisten zu hoch. Malik plagen die Fragen, wie er und sein Großvater an Bord des Schiffs gelangen können und ob seine Mutter es noch zu ihnen schaffen wird. Trotz der großen Herausforderung verliert Malik nicht den Mut, er ist erfindungsreich und wird unterstützt durch eine streunende Katze und einen Zaubertrick seines Großvaters. Walters Debüt über Krieg, Flucht und Rettung ist thematisch höchst aktuell. Trotz aller Gewalt und Brutalität erzählt Walter die Geschichte sehr einfühlsam und ermöglicht dem jugendlichen Leser, Empathie mit dem Jungen zu empfinden, der das Erwachsenwerden als »unbegleiteter minderjähriger Flüchtling« auf dem Zwischendeck eines Schiffs erlebt. Auch vom Ankommen des Protagonisten, der Einsamkeit, der schwierigen Eingliederung in eine fremde Gesellschaft wird im dritten Teil des Buchs erzählt. Wie die »FAZ« urteilte, gestattet der Autor dem Leser, »wenigstens für die Dauer der Lektüre die Perspektive derjenigen Flüchtlinge einzunehmen, die kommen, weil ihnen nichts anderes übrigbleibt, und die sich ein Land erträumen, das groß genug ist, um sie aufzunehmen«. In Großbritannien wurde »Close to the Wind« von der »Sunday Times« zum Children’s Book of the Week gewählt. Auch in seinem zweiten Jugendbuch »My Name’s not Friday« (2015; dt. »Mein Name ist nicht Freitag«, 2017) geht es um das schwierige Schicksal eines Heranwachsenden: Samuel wird als Sklave an einen weißen, gleichaltrigen Jungen verkauft, verliert das Recht auf seinen Namen, wird fortan Freitag genannt und kommt auf eine Plantage in Mississippi. Dort lernt er Gewalt und Unfreiheit kennen, und es fällt ihm von da an schwer, Vertrauen zu anderen zu fassen. Doch der Bürgerkrieg rückt immer näher, der Süden unterliegt, und es wächst die Hoffnung auf Freiheit. Der Jugendroman über die Sklavenhaltergesellschaft zur Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs ist einerseits historisch, andererseits angesichts der rassistischen Polizeigewalt gegen Schwarze in den Vereinigten Staaten heute hochaktuell.

Der Autor lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in der englischen Grafschaft East Sussex.

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