10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2017 / Javier de Isusi

Javier de Isusi  [ Spanien ]

Biographie

Portrait de Isusi
Copyright de Isusi / C. Edition Moderne

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Los viajes de Juan Sin Tierra 1–4

Astiberri Ediciones

Bilbao, 2004 ff.

Ometepe

Astiberri Ediciones

Bilbao, 2012

Ich habe Wale gesehen

Eine Freundschaft im Baskenland

Edition Moderne

Zürich, 2017

[Ü: Lea Hübner]

Asylum

Astiberri Ediciones

Bilbao, 2017

Javier de Isusi, 1972 in Bilbao geboren, begeisterte sich als Kind für die Comic-Serien von »Asterix«, »Tim und Struppi«, »Blueberry« und als Jugendlicher für »Superhero«. Er studierte Architektur in San Sebastián und Lissabon. In dieser Zeit entdeckte er die Arbeiten von Milo Manara, Jean Giraud (auch: Moebius) sowie den französischen Comic-Altmeister Régis Loisel und die Möglichkeiten des Comic-Genres für Erwachsene.

Er debütierte mit der Tetralogie »Los viajes de Juan Sin Tierra« (2004, 2007, 2008, 2010; Ü: Die Reisen des Johann Ohneland), die von einem einjährigen Aufenthalt in Lateinamerika inspiriert wurde. Mittlerweile hat Javier de Isusi in Spanien bereits acht Comic-Geschichten veröffentlicht. »He visto ballenas« (2015; dt. »Ich habe Wale gesehen«, 2017) ist ein gleichermaßen poetisches wie politisches Buch über eine Freundschaft im Baskenland zu Zeiten des Unabhängigkeitskampfes. Während die Terroranschläge der ETA das Land erschüttern, verlieren sich die beiden Jugendfreunde Josu und Antón aus den Augen. Nachdem Antóns Vater von einem ETA-Mitglied getötet worden ist, tritt Antón in ein Priesterseminar ein, wo er den Doktrinen der Kirche folgt, die von ihm vor allem Gehorsam verlangt. Josu hingegen schließt sich der Widerstandsbewegung an, bis er schließlich ins Gefängnis kommt. Dort trifft er auf Emmanuel, der eigentlich auf der anderen Seite in einer der Todesschwadronen der spanischen Regierung kämpfte, seine Taten aber ebenso bereut wie Josu. Die Geschichte und die drei spannend erzählten Lebensläufe zeigen nicht nur die tiefen Wunden, die der Freiheitskampf der Basken dem Land zugefügt hat, sie vermitteln auch die Versöhnung und deren Voraussetzung: sich selbst und den anderen zu verstehen. »Zwei Menschen sehen nie dasselbe, weil man nicht mit den Augen des andern sieht; aber man kann versuchen ihn zu verstehen«, sagte Javier de Isusi. Er wählte für die Gestaltung seiner Geschichte einen minimalistischen Stil, die skizzenartigen Bilder sind in Grau und Gelb gehalten und vermitteln damit eine düstere Atmosphäre. Die drei Protagonisten reflektieren über ihre eigene Schuld vermittels zahlreicher innerer Dialoge. In seiner jüngsten Publikation »Asylum« (2017) zeigt Javier de Isusi Exilerfahrungen auf: Die 94-jährige Marina erinnert sich an den Weg, den sie von Otxandio nach Barcelona, von Barcelona nach Frankreich, von Frankreich nach Venezuela zurücklegte, eine Erfahrung, die sie mit den anderen Frauen im Buch teilt, die vor Zwangsverheiratung, sexueller Ausbeutung, Homophobie sowie Krieg und Gewalt geflohen sind. Javier de Isusi erzählt Geschichten von jenen, die sich gestern und heute auf den Weg begeben müssen, um ihr Leben zu retten und um einen Ort zu finden, an dem sie in Würde leben können.

Javier de Isusi lebt in Extremadura, Spanien.

abgelegt unter: