10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Erling Kagge  [ Norwegen ]

Biographie

Portrait Kagge
Copyright Kagge / C. Simon Skreddernes

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Nordpolen: Det siste kappløpet

Cappelen

Oslo, 1990

Alene til Sydpolen

Cappelen

Oslo, 1993

På eventyr

N. W. Damm & Son

Oslo, 1994

A Poor Collector’s Guide to Buying Great Art

Die Gestalten

Berlin, 2015

Stille: Ein Wegweiser

Insel

Berlin, 2017

[Ü: Ulrich Sonnenberg]

Erling Kagge wurde 1963 in Oslo geboren. Er studierte Jura, war als Rechtsanwalt u.~a. für den Industrieriesen Norsk Hydro tätig, studierte später Philosophie an der University of Cambridge und wurde als Bergsteiger und Abenteurer bekannt. Er und sein Landsmann Børge Ousland brachen am 8.~März 1990 von der Insel Ellesmere allein und ohne Hilfstross zum Nordpol auf: Sie waren etwa 800~Kilometer auf Skiern unterwegs, führten ihren Proviant auf einem Schlitten mit sich und waren nach 58~Tagen am Ziel. Weniger als drei Jahre später, am 7.~Januar 1993, erreichte Kagge auf der ersten nicht unterstützten Expedition den Südpol. Die Strecke von 1310~Kilometern legte er in fünfzig Tagen zurück, allein und ohne jeden Funkkontakt. 1994 schließlich bestieg er den Mount Everest und ist somit der erste Mensch, der die »drei Pole« erreicht hat. Über seine Abenteuer schrieb er die Bücher »Nordpolen: Det siste kappløpet« (1990; Ü: Nordpol: Das letzte Rennen), »Alene til Sydpolen« (1994; Ü: Allein bis zum Südpol) und »På eventyr« (1994; Ü: Abenteuer).

2010 unternahm er eine Expedition der anderen Art: Mit dem Stadthistoriker und Fotografen Steve Duncan war er zu Fuß über fünf Tage von der Bronx über Manhattan bis zum Atlantischen Ozean unterirdisch unterwegs durch die Abwasserkanäle und U-Bahn-Tunnel von New York City. Fotos und Texte von dieser Expedition erschienen 2012 unter dem Titel »Under Manhattan« (Ü: Unter Manhattan). Bereits auf seiner Südpol-Expedition hatte Erling Kagge erkannt, dass diese für ihn eher eine Reise in sein Inneres als die Erforschung der Antarktis bedeutete: »Ich kann die Stille hören und genieße sie in vollen Zügen. Es fühlt sich so gut an, alleine auf der Welt zu sein.« Über zwanzig Jahre später widmete er diesem Phänomen ein ganzes Buch: »Stille~– Ein Wegweiser« (2017) versammelt seine Ansichten zum Thema, gewonnen während seiner Expeditionen und in Gesprächen mit Freunden und Wegbegleitern wie Marina Abramović, Jon Fosse, Elon Musk, Børge Ousland und Oliver Sacks.

1996 gründete Kagge in Oslo den Kagge Forlag, der sich rasch auf dem norwegischen Buchmarkt etablierte. 2000 kaufte er außerdem einen der ältesten norwegischen Verlage, den J. M. Stenersens Forlag, auf. Selbst ein passionierter Kunstsammler, der trotz eines zunächst begrenzten Budgets Werke u.~a. von Wolfgang Tillmans, Raymond Pettibon, Richard Prince, Tauba Auerbach und Urs Fischer erwerben konnte, gibt Kagge in seinem essayistischen Buch »A Poor Collector’s Guide to Buying Great Art« (2015) Ratschläge zum Kauf von großer Kunst für arme Sammler und zeigt zugleich anhand seiner eigenen Erfahrung den Irrsinn des Kunstbetriebs auf. Außerdem schreibt Kagge regelmäßig Artikel für Zeitungen und Zeitschriften. Er lebt in Oslo.

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