10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Elnathan John  [ Nigeria, Deutschland ]

Biographie

Portrait John
Copyright Elnathan John / C. Alla Sieg

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

An einem Dienstag geboren

Wunderhorn

Heidelberg, 2017

[Ü: Susann Urban]

Elnathan John wurde 1982 in Kaduna im Nordwesten Nigerias geboren. Er studierte Jura und arbeitete danach als Rechtsanwalt, bis er sich 2012 für das Schreiben als Hauptberuf entschied.

Seine Kurzprosa erschien in verschiedenen Zeitschriften wie »Per Contra«, »ZAM Magazine« und »Sentinel Nigeria«. Seine Erzählung »Bayan Layi« wurde 2013 für den Caine Prize for African Writing nominiert, auch die Erzählung »Flying« (2015; Ü: Fliegen) schaffte es auf die Shortlist. Sein erster Roman »Born on a Tuesday« (2015; dt. »An einem Dienstag geboren«, 2017) ist ein aufrüttelnder Text über die islamistische Radikalisierung in Nordnigeria. Von den Jugendlichen, mit denen er aufwuchs, inspiriert, entwickelte John einen Roman, der die Zeit von 2003 bis zur Gegenwart umspannt. Sein Protagonist, Dantala, ist ein heimatloser Almajiri-Koranschüler in der fiktiven nigerianischen Stadt Bayan Layi, was so viel heißt wie »Nebengasse« und auf die Randständigkeit des Ortes verweist. Statt zur Koranschule zu gehen, schließt er sich einer Gang an, die mit einem Brandanschlag auf das Büro der oppositionellen Partei beauftragt wird. Nach dem Anschlag flieht Dantala vor der Polizei in die Stadt Sokoto, wo er in einer Moschee Zuflucht findet. Angetan vom charismatischen Scheich Jamal, gerät er immer mehr in die Fänge von dessen Bewegung und ihren radikalisierten Teilen. Er erlebt die Wirren der ersten Liebe, begegnet politischen Ideologien hautnah und muss sich entscheiden, für wen er Stellung beziehen und welche Art von Muslim und Mann er sein will. Johns Debüt ist ein Bildungsroman, in dem die fundamentalistische Gruppe Boko Haram nicht eindeutig benannt wird, der sich dennoch eindeutig auf die realen Verhältnisse im Norden Nigerias bezieht und Einblicke in eine hermetische Welt gewährt. John verfasste ihn auf Englisch, aber auch die Hausa-Sprache ist in Form von zahlreichen Zitaten präsent. Den wortreichen, lärmenden, von islamistischer Gewalt geprägten Stimmen, die das Geschehen dominieren, stehen die wortkargen Frauenfiguren gegenüber, die sich vor allem durch Körpersprache artikulieren. John benutzt eine prägnante, direkte und auf die jeweils handelnde Person angepasste Sprache, die einerseits die Brutalität der Ereignisse fühlen lässt, andererseits aber auch die komischen Momente im Leben seines Protagonisten nicht ausspart. »Born on a Tuesday« stand auf den Shortlists des NLNG Nigeria Prize for Literature, des Republic of Consciousness Prize, des Betty Trask Prize und des Hurston/Wright Legacy Award for Debut Fiction.

Elnathan John schreibt außerdem politische Satiren und Essays u.~a. über Pastoralismus und Gender-Nonkonformismus in Nordnigeria. Er lebt in Nigeria und Deutschland.

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