10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Edna O'Brien  [ Irland ]

Biographie

Portrait O'Brien
Copyright O'Brien / C. Guardian News and Media Ltd.

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Die Fünfzehnjährigen

Rütten & Loening

Hamburg, 1961

[Ü: Jeanie Ebner]

Das Mädchen mit den grünen Augen

Diogenes

Zürich, 1972

[Ü: Margaret Carroux]

Mädchen im Eheglück

Rowohlt

Reinbek b. Hamburg, 1969

[Ü: Margaret Carroux]

Das einsame Haus

Hoffmann und Campe

Hamburg, 1996

[Ü: Irmela Erckenbrecht]

Das rauhe Land

Hoffmann und Campe

Hamburg, 2001

[Ü: Kathrin Razum]

Im Wald

Hoffmann und Campe

Hamburg, 2003

[Ü: Kathrin Razum]

James Joyce

Claassen

München, 2004

Country Girl: A Memoir

Faber & Faber

London, 2012

The Little Red Chairs

Little Brown

London, 2015

Die irische Schriftstellerin Edna O’Brien wurde 1930 in Tuamgraney im County Clare geboren und wuchs in einer streng katholischen Farmerfamilie auf. Sie wurde in einem Internat erzogen und studierte in Dublin am Pharmaceutical College, woraufhin sie für kurze Zeit als Apothekerin arbeitete. 1959 zog sie nach ihrer Heirat mit dem tschechisch-irischen Schriftsteller Ernest Gébler nach London.

Kurz darauf erschien ihr erster Roman »The Country Girls« (1960; dt. »Die Fünfzehnjährigen«, 1961), der von zwei heranwachsenden Mädchen erzählt, die aus einer verhassten irischen Kleinstadt in die sexuell freizügige Großstadt ausbrechen und dort scheitern. O’Briens Debüt stieß in Irland auf empörtes Entsetzen, Exemplare wurden teilweise öffentlich verbrannt, ihre folgenden sechs Titel durften dort nicht erscheinen. O’Brien komplettierte die begonnene Trilogie mit »The Lonely Girl« (1962; dt. »Das Mädchen mit den grünen Augen«, 1972) und »Girls in Their Married Bliss« (1964; dt. »Mädchen im Eheglück«, 1969). Ihre Werke zeigen zumeist die Gefühlswelt von Frauen und ihre Probleme in der Gesellschaft. Auch wenn sie in London blieb, kehrte sie in ihren Texten thematisch immer wieder nach Irland zurück und wandte sich vor allem den Schattenseiten der irischen Gesellschaft zu. In »House of Splendid Isolation« (1994; dt. »Das einsame Haus«, 1996) wird ein IRA-Kämpfer von der Polizei gejagt und flüchtet sich zu einer alten Frau. In Rückblenden wird das enttäuschende Leben dieser vom jahrelangen Ehekrieg zermürbten Frau in einer durch und durch patriarchalischen Welt erzählt sowie davon, wie sich der Krieg der Geschlechter auf nationaler Ebene fortsetzt. »Wild Decembers« (1999; dt. »Das rauhe Land«, 2001) spielt wiederum in einem abgelegenen irischen Dorf, unberührt von den Entwicklungen der Zivilisation. O’Brien konzentriert sich, ergänzt durch poetisch-erdige Naturschilderungen, auf das Innenleben der Protagonisten, deren Sozialgefüge nach der Ankunft eines Nachfahren verarmter, nach Australien ausgewanderter Iren ins Wanken gerät und sich zu einer tödlichen Tragödie ausweitet. Ihr jüngster Roman »The Little Red Chairs« (2015; Die kleinen roten Stühle) handelt von einer Irin, die sich in einen serbischen Kriegsverbrecher verliebt (der Ähnlichkeiten mit Radovan Karadžić besitzt), ohne etwas von seiner Identität zu ahnen.

Edna O’Brien veröffentlichte auch Kurzgeschichten und Gedichte, schrieb Theaterstücke und Sachbücher, darunter ein essayistisches Porträt von »James Joyce« (1999; dt. 2004). Für ihr literarisches Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter dem Kingsley Amis Award (1962), dem Los Angeles Times Book Prize (1990) und dem European Prize for Literature (1995). 2006 ernannte sie die Dubliner Universität zur Professorin für Englische Literatur. 2009 erhielt sie den Bob Hughes Lifetime Achievement Award. Die Autorin lebt in London.

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