10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Christophe Boltanski  [ Frankreich ]

Biographie

Portrait Boltanski
Christophe Boltanski / C. Julien Falsimagne

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Les Sept Vies de Yasser Arafat

[mit Jihan al-Tahri]

Grasset

Paris, 1997

Bethléem

2000 ans de passion

[mit Farah Mébarki u. Rémi Benali]

Tallandier

Paris, 2000

Chirac d’Arabie

Les Mirages d’une politique française

[mit Éric Aeschimann]

Grasset

Paris, 2006

Minerais de sang

Les esclaves du monde moderne

[Fotografien von Patrick Robert]

Grasset

Paris, 2012

Das Versteck

Hanser

München, 2017

[Ü: Tobias Scheffel]

Der französische Schriftsteller und Essayist Christophe Boltanski wurde 1962 in Boulogne-Billancourt als Sohn des Soziologen Luc Boltanski sowie als Neffe des Installationskünstlers Christian Boltanski geboren. Ab 1987 studierte er am Pariser Centre de formation des journalistes und arbeitete danach bei der Zeitschrift »Progrès égyptien« anstelle der Ableistung seines Wehrdiensts. Anschließend war er von 1989 bis 2007 für die Pariser Tageszeitung »Libération« tätig und berichtete u.~a. aus dem Zweiten Golfkrieg. Als Korrespondent lebte er von 1995 bis 2000 in Jerusalem und von 2000 bis 2004 in London. Für seine Reportage »Les Mineurs de l’enfer« über die Minenarbeiter in der Region Nord-Kivu im Ost-Kongo wurde er 2010 mit dem Prix Bayeux-Calvados des correspondants de guerre ausgezeichnet. Er veröffentlichte mehrere Sachbücher, darunter »Les Sept Vies de Yasser Arafat« (1997; Ü: Die sieben Leben des Jassir Arafat), »Bethléem: 2000 ans de passion« (2000; Ü: Bethlehem: 2000 Jahre Passion) und »Chirac d’Arabie« (2006; Ü: Chirac von Arabien) über das dichte Beziehungsnetz des ehemaligen französischen Präsidenten mit der arabischen Welt.

2015 erschien sein Roman »La Cache« (dt. »Das Versteck«, 2017). Boltanski erzählt in seinem Debüt die Geschichte seiner Familie: Seine scharfsinnigen und humorvollen Beschreibungen zeigen die Lebenswelt der jüdisch-korsisch-bretonischen Familie im letzten Drittel des 19.~Jahrhunderts, die Pogrome in Osteuropa, das Leben während und nach dem Zweiten Weltkrieg in der Pariser Rue de Grenelle sowie auf der Flucht und im Algerienkrieg bis in die 1970er Jahre hinein. So musste sich sein Großvater im Zweiten Weltkrieg zwei Jahre lang in einem winzigen Versteck aufhalten, in dem er sich weder setzen noch hinlegen konnte. Die Wirren der Geschichte formten diese Familie von Intellektuellen und Künstlern, ihr wechselhaftes Leben ist mit dem einzigartigen Pariser Haus verbunden. »Wir hatten Angst. Vor allem vor dem Nichts, vor den anderen, vor uns selbst. Vor der kleinen wie der großen Geschichte. Vor den ehrlichen Menschen, die unter bestimmten Umständen zu Verbrechern werden können. Vor der Wandelbarkeit der Menschen und des Lebens. Vor dem Schlimmsten, weil es immer das Wahrscheinlichste ist. Diese Befürchtung vererbte mir meine Familie gleich bei meiner Geburt.« Boltanski erhielt für »La Cache« 2015 den Prix Femina, den Prix Transfuge du meilleur premier roman, den Prix de la rentrée sowie den Prix des prix littéraires.

Christophe Boltanski ist Chefredakteur der Vierteljahresschrift »XXI« und lebt in Paris.

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