10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Cécile Wajsbrot  [ Frankreich ]

Biographie

Portrait Wajsbrot
Copyright Cécile Wajsbrot / C. privat

Gast des ilb 2007, 2017.

Bibliographie

Mann und Frau den Mond betrachtend

Liebeskind

München, 2003

[Ü: Holger Fock u. Sabine Müller]

Im Schatten der Tage

Liebeskind

München, 2004

[Ü: Holger Fock u. Sabine Müller]

Aus der Nacht

Liebeskind

München, 2008

[Ü: Holger Fock u. Sabine Müller]

Die Köpfe der Hydra

Matthes & Seitz

Berlin, 2012

[Ü: Brigitte Große]

Eclipse

Matthes & Seitz

Berlin, 2016

[Ü: Nathalie Mälzer]

Cécile Wajsbrot wurde 1954 als Tochter polnischer Juden in Paris geboren. Ihre Familie war nach Frankreich geflüchtet, wo der Großvater der Deportation nicht entkam; später wurde er in Auschwitz ermordet. Mutter sowie Großmutter entgingen nur knapp einer Razzia. Dieses Schicksal ihrer Familie und die kaum bzw. spät aufgearbeitete Vergangenheit des mit Nazi-Deutschland kollaborierenden französischen Staates sind wiederkehrende Themen in Wajsbrots Werk. Sie studierte zunächst Vergleichende Literaturwissenschaft und arbeitete als Französischlehrerin, bis ihr erster Roman »Une vie à soi« (1982; Ü: Ein Leben für sich) erschien. Danach war sie als Literaturredakteurin tätig, seit Anfang der neunziger Jahre als freie Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Englischen und Deutschen (u.~a. Virginia Woolf, Marcel Beyer, Peter Kurzeck).

Wajsbrots Werke bilden einen Gegenpol zur an Polemik und Pathos reichen neueren französischen Literatur eines Houellebecq und Beigbeder. Gleichzeitig wendet sich die Schriftstellerin gegen die artistische, selbstreferenzielle Manier des Nouveau Roman und einen an der postmodernen »écriture« ausgerichteten Literaturbegriff. »Der Nouveau Roman und alles, was danach in Frankreich geschah, verdeckt ein Schweigen~[…]. Die écriture ist wesentlich narzisstisch. Die Literatur dagegen bezieht andere in ihre Darstellung ein«, fasst Wajsbrot ihre viel beachtete Streitschrift »Pour la littérature« (1999; Ü: Für die Literatur) zusammen. Ihre eigenen Werke thematisieren die Bedeutung von Erinnerung und loten die Möglichkeiten von Kommunikation aus. »La Trahison« (1997; dt. »Der Verrat«, 2006) berichtet von einem altgedienten Radiomoderator, den die Konfrontation mit seinem feigen Verhalten während der Besatzungszeit in den Selbstmord treibt. Die oft als »Kammerspiel« charakterisierte Erzählung »Nation par Barbès« (2001; dt. »Im Schatten der Tage«, 2004) behandelt die Einwanderungsthematik in Paris, wobei die Metro eine wichtige Rolle spielt. In »Caspar Friedrich Strasse« (2002; dt. »Mann und Frau den Mond betrachtend«, 2003) entwirft Wajsbrot die Rede eines fiktiven ostdeutschen Lyrikers anlässlich einer Straßeneinweihung. In »Mémorial« (2005; dt. »Aus der Nacht«, 2008) beschreibt sie die Polenreise einer jungen Frau auf den Spuren ihrer Vorfahren. »L’hydre de Lerne« (2011; dt. »Die Köpfe der Hydra«, 2012) thematisiert die Alzheimer-Erkrankung ihres Vaters. »Totale éclipse« (2014; dt. »Eclipse«, 2016) gehört zu einem Romanzyklus über Kunst und handelt von Fotografie und Popmusik.

2016 wurde Cécile Wajsbrot mit dem Prix de l’Académie de Berlin geehrt. Sie lebt in Paris und Berlin.

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