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Burcu Türker  [ Deutschland ]

Biographie

Portrait Türker
Copyright Türker / C. Schirin Moaiyeri

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Süße Zitronen

Jaja

Berlin, 2016

Auf der Viersener Wartebank

Text: Elend Sheikhi

alphabetdesankommens.de

2017

Burcu Türker, geboren 1984 in Erlenbach, studierte von 2004 bis 2005 an der Schule für Mode, Grafik und Design in Offenbach, von 2005 bis 2007 Kommunikationsdesign an der Hochschule Darmstadt und 2007 bis 2015 Visuelle Kommunikation und Illustration an der Kunsthochschule Kassel, wo sie Meisterschülerin in der Klasse Illustration und Comic bei Hendrik Dorgathen war.

In ihrem Comic-Debüt »Süße Zitronen« (2016)~– ihrer Abschlussarbeit~– erzählt sie von einer jungen Frau, deren Mutter einer Krebserkrankung erlegen ist. Die Graphic Novel ist autobiografisch geprägt, stellt eine Rekonstruktion der Beziehung zur eigenen Mutter dar und erzählt aus deren Leben: Als junge Schauspielerin verliebt sie sich, gibt ihre Karriere in Istanbul auf und folgt ihrem Mann in einen kleinen Ort in Deutschland. Obwohl das Familienleben in der Erinnerung der Protagonistin harmonisch war, beschließt ihre Mutter letztlich, in die Türkei und ans Theater zurückzukehren. Die Gedanken an die Mutter erschweren der Protagonistin den Weg zurück in den Alltag: »In meinem Buch zeige ich, wie auch lebensfrohe Erinnerungen an eine verlorene Person lähmen können. Wenn sie nämlich zu viel werden, sind sie ein bisschen wie die Säure in einem Salat.« Dafür steht auch der Titel: Die Zitronen stellen das Bindeglied zwischen Tochter und Mutter dar, das Epitheton »süß« greift die positiven Erinnerungen auf. Und dafür stehen auch die Farben des Buchs: Burcu Türker erzählt die Geschichte grafisch schlicht mit sparsamem Strich, aber mit wilden Farbakzenten in Rot, Grün und Blau. Das Orange-Rot der Protagonistin zieht sich leitmotivisch durch das gesamte Buch, die Mutter zeichnet sich in der Erinnerung durch helles Gelb aus. Mit ihrem Debüt erreichte Türker das Finale des Comicbuch-Wettbewerbs der Berthold Leibinger Stiftung 2016. Andreas Platthaus (»FAZ«) lobte das Buch als »souveränes Doppeldoppelspiel: einmal Mutter–Tochter und dann Türkei–Deutschland. Und der Comic ist ein Traum in Rot, denn was die junge Zeichnerin mit dieser Farbe alles anstellt, das muss man sehen.« 2017 organisierten der Deutsche Comicverein e.~V. und die Bundeszentrale für politische Bildung den Workshop »Alphabet des Ankommens« zur Förderung journalistischer Reportagen und Comics zu den Themen Flucht und Neuanfang in einem fremden Land. Burcu Türker gestaltete innerhalb des Projekts die Comicreportage »Auf der Viersener Wartebank« nach einem Text von Elend Sheikhi. Protagonist der Geschichte ist Lazkin Mohammad Hesso, der am eigenen Leib die Verschärfung der deutschen Asylpolitik im Jahr 2016 erlebt.

2012 gründete Burcu Türker das Künstlerkollektiv »Die Goldene Discofaust« mit. Sie lebt in Berlin.

[http://burcutuerker.de]

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