10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2017 / Brian Castro

Brian Castro  [ China, Australien ]

Biographie

Portrait Castro
Copyright Castro / C. Annette Willis

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Birds of Passage

Allen & Unwin

Crows Nest, 1983

Double-Wolf

Allen & Unwin

Crows Nest, 1991

After China

Allen & Unwin

Crows Nest, 1992

Shanghai Dancing

Giramondo

Artarmon, 2003

The Garden Book

Giramondo

Artarmon, 2005

Street to Street

Giramondo

Artarmon, 2012

Blindness and Rage

Giramondo

Artarmon, 2017

Brian Castro wurde 1950 in Hongkong geboren. Sein Vater stammt von spanischen, portugiesischen und englischen Kaufleuten ab, die sich zur Jahrhundertwende in Schanghai niederließen, seine Mutter hatte chinesisch-englische Vorfahren. 1961 wurde Castro allein nach Australien zur Schule geschickt. Anschließend studierte er an der Universität von Sydney und war als Autor und Pädagoge in Australien, Frankreich und Hongkong tätig.

In seinem ersten Roman »Birds of Passage« (1983; Ü: Passierende Vögel) wendet er sich den Fragen von persönlicher und nationaler Identität vor dem Hintergrund der »Übersetzbarkeit« von Kulturen zu. Zwei Geschichten sind hier miteinander verwoben~– die des Chinesen Lo Yun Shan, der während des Goldrauschs in den 1850er Jahren aus Kwangtung nach Australien übersiedelt, und die des Australiers chinesischer Herkunft Seamus O’Young heute. Als Seamus die Aufzeichnungen von Shan entdeckt und übersetzt, stellt er fest, wie sehr ihre beiden Leben miteinander verschlungen sind. Der mit drei australischen Literaturpreisen ausgezeichneten Roman »Double-Wolf« (1991; Ü: Doppel-Wolf) handelt von Sigmund Freuds bekanntem Patienten Sergej Pankejew, der unter dem Namen »Wolfsmann« in die Geschichte der Psychoanalyse einging. Ausgehend von historischen Fakten, beschäftigt sich Castro in seinem witzigen und tiefgründigen Text mit der Frage, was Wahrheit tatsächlich ausmacht und inwieweit Mythenbildung zur Bewältigung der Realität dient. »Shanghai Dancing« (2003; Ü: Schanghai-Tanz) ist eine fiktive Biografie, in der Castro aus australischer Perspektive vom Leben seiner Familie in Schanghai, Hongkong und Macau von den 1930ern bis in die 1960er Jahre erzählt. Das vielfach ausgezeichnete Buch beeindruckte die Kritik als Historie, als Fiktion, als ein Buch, das die literarische Form ausdehne und von der Universalität menschlicher Erfahrung erzähle. Castros Roman »The Garden Book« (2005; Ü: Das Gartenbuch) spielt in den australischen Dandenong Ranges in den Jahren zwischen der Depression und dem Zweiten Weltkrieg. Die Handlung folgt dem turbulenten Leben der wunderschönen Swan Hay (geboren als Shuang He), die mit den Übersetzungen ihrer Lyrik ins Französische berühmt wird, ohne davon zu wissen. Lange nachdem sie arm und verzweifelt von der Bildfläche verschwunden ist, rekonstruiert ein Bibliothekar und »Experte für Selbstverleugnung« ihr Leben. Nach und nach ergibt sich aus Swans verstreuten Schriften ein Porträt des von Rassenvorurteilen geprägten australischen Lebens im frühen 20.~Jahrhundert. Castros jüngster Roman »Blindness and Rage« (2017; Ü: Blindheit und Zorn) sprengt die Form des Genres: Der Text besteht aus 34~Canti und erinnert mit seinen kurzen, rhythmisierten Zeilen an Vergil, Dante sowie Puschkins »Eugen Onegin«.

Castro wurde für sein literarisches Schaffen mit zahlreichen Preisen geehrt, u.~a. dem Patrick White Award for Literature 2014. Der Autor lebt in Adelaide Hills.

abgelegt unter: