10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Berliac  [ Argentinien, Deutschland ]

Biographie

Portrait Berliac
Copyright Berliac / C. Ciro Hernandez

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Playground

Valientes

Valencia, 2013

Inverso

Kuš!

Riga, 2013

Sadbøi

Jippi

Norwegen, 2016

Desolation.exe

Asema

Helsinki, 2017

Berliac wurde 1982 in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Er ist Autor von sechs Graphic Novels, veröffentlicht in Argentinien und Europa, und mehreren selbst publizierten Zines, seine Kurzgeschichten wurden in zahlreiche Anthologien aufgenommen wie »KUŠ!« (Lettland), »Franky et Nicole« (Frankreich) und »Stripburger« (Slowenien).

Seine ersten Publikationen waren von der westlichen Comic-Tradition geprägt und wurzelten stilistisch in der argentinischen Schule mit ihren starken Schwarz-Weiß-Kontrasten wie in den Werken von Alberto Breccia und José Muñoz. »Playground« (2013; Ü: Spielplatz), Berliacs erste Veröffentlichung in Europa nach seiner Übersiedlung nach Berlin, markiert den Wendepunkt in seinem Schaffen und ist sowohl Kunst-Comic als auch ein Essay über den Kunst-Comic. Danach näherte Berliac seinen Stil radikal der Gekiga-Schule an, realistischen japanischen Comics für Erwachsene aus den fünfziger und sechziger Jahren. Während die Mainstream-Manga-Industrie von Tokio hauptsächlich Comics für Kinder produzierte, entstanden in Osaka auch experimentelle Comics für Erwachsene, bis sich Gekiga herausbildete. Berliac griff dieses Genre auf und entwickelte daraus seinen eigenen Stil des Gaijin (ausländischen) Gekiga: »Beim Manga geht es nun andererseits genau darum, sich nicht nur ständig mit sehr begrenzten, nichtexperimentellen Mitteln zu wiederholen, sondern auch andere zu kopieren und in einer Tradition aufzugehen, die das genaue Gegenteil vom egogetriebenen, westlichen Kult der Individualität ist.« Berliacs Figuren und ihre Wechselbeziehungen reflektieren die moderne Welt, der es an Verwurzelung und Gewissheiten mangelt und die von digitaler Technik und Geld dominiert wird. Seine Bilder haben einen hohen Symbolgehalt, die Geschichten brechen mit den klassischen Erzählstrukturen und verzichten bisweilen bewusst auf eine Klimax. »Ich glaube wirklich daran, dass Comics eines der letzten Medien sind, in denen man außerhalb der kapitalistischen Produktionsstandards arbeiten und sie sogar unterwandern kann.« In dem Kurzgeschichtenband »Desolation.exe« (2017) thematisiert Berliac die urbane, postindustrielle Angst der westlichen Welt im 21.~Jahrhunderts: die Entfremdung der Arbeit, Obsessionen, flüchtige Freuden sowie menschliche Isolation. Die gleichen Themen behandelt seine jüngste Graphic Novel »Sadbøi« (2016), veröffentlicht in Norwegen, Italien, Spanien Polen und Argentinien, ein Bildungsroman über einen jugendlichen Flüchtling in Europa, der seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lässt, um Künstler zu werden.

Berliacs wöchentlicher Comedy-Comic »Asian Store Junkies« erscheint online unter vice.com. Er war Redakteur von pariascomix.tumblr.com, einer Plattform für Webcomics aus Lateinamerika, und Mitherausgeber der 25. Ausgabe von »KUŠ!« zum Thema »Gaijin Manga«.

[http://berliac.com]

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