10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Arturo Fontaine  [ Chile ]

Biographie

Fontaine, portrait
Copyright Daniel Mordzinski

Gast des ilb 2005, 2017.

Bibliographie

Nueva York

Editorial Univesitaria

Santiago, 1976

Poemas hablados

Francisco Zegers

Santiago, 1989

Oír su voz

Alfaguara

Santiago, 1992

Tu nombre en vano

Editorial Universitaria

Santiago, 1995

Cuando éramos inmortales

Alfaguara

Santiago, 1998

Mis ojos x tus ojos

Andres Bello

Santiago, 2007

La vida doble

Tusquets

Madrid/Buenos Aires, 2010

Arturo Fontaine T. (Talavera) wurde 1952 in Santiago de Chile geboren und studierte Philosophie an der Columbia University und an der Universidad de Chile.

Fontaine gilt als bedeutender Vertreter der »Nueva Narrativa Chilena«, die das Erbe der »Generación del Boom« genannten Erzähler des magischen Realismus angetreten hat. Er debütierte mit den Gedichtbänden »Nueva York« (1976; Ü: New York) und »Poemas hablados« (1989; Ü: Gesprochene Gedichte). Sein erster Roman »Oír su voz« (1992; Ü: Seine Stimme hören) begeisterte nicht nur Kritiker, sondern hielt sich auch 46~Wochen in den lateinamerikanischen Bestsellerlisten. Er zeichnet ein profundes und kritisches Porträt der chilenischen Gesellschaft, das sich in der Tradition der großen Romane des 19.~Jahrhunderts bewegt. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Neuordnung Chiles unter General Pinochet wird von den Machenschaften einer Gruppe von Geschäftsleuten und von einer leidenschaftlichen Liebe erzählt. Mit feinem Gefühl für sprachliche Nuancen zeichnet Fontaine eine komplexe Gesellschaftsstruktur nach, indem er deren Vielstimmigkeit zu Wort kommen lässt. »Die Macht wird immer von der Sprache ausgeübt. Es gibt keine menschliche Macht, die nicht in Sprache gekleidet ist. In ›Oír su voz‹ ist eine Vielzahl von Jargons und Sprachen versammelt, die sich durch ihre Nebeneinanderreihung relativieren, gegenseitig destabilisieren und enthüllen, was sie sind: Sprachen, Deutungen. Es gibt keinen einheitlichen Ton~[…], sondern eine Verschränkung verschiedener Töne, uneinheitlicher linguistischer Materialien.« Fontaines zweites Epos, »Cuando éramos inmortales« (1998; Ü: Als wir unsterblich waren), ist ein autobiografisch inspirierter Entwicklungsroman. Er zeichnet den Modernisierungsprozess Chiles in den sechziger Jahren mit seinen sozialen und ideologischen Kämpfen am Beispiel einer Großgrundbesitzerfamilie nach. Sein Roman »La vida doble« (2010; Ü: Doppelleben) basiert auf der wahren Geschichte einer Guerillakämpferin, die unter Pinochet verhaftet, gefoltert und für den Geheimdienst angeworben wird, woraufhin sie gegen ihre ehemaligen Kameraden kämpft. Wieder einmal zeigt sich Fontaine hier als genauer Beobachter und Interpret der politischen und sozialen Realität Chiles.

Fontaine arbeitet als Professor für Philosophie an der Universidad de Chile. Er war Direktor des Centro de Estudios Públicos, einer nichtkommerziellen akademische Vereinigung, die sich der Erforschung jener Prinzipien, Traditionen und Institutionen verschrieb, auf denen eine freie, pluralistische und demokratische Gesellschaftsordnung basiert. 2013 wurde er vom Kuratorium des CEP zum Rücktritt gezwungen, was von den Medien als Zeichen der aktuellen Polarisierung der chilenischen Gesellschaft interpretiert wurde. Fontaine ist außerdem Direktor des chilenischen Museum of Memory and Human Rights zur Aufarbeitung der Pinochet-Diktatur und veröffentlicht regelmäßig Essays zu politischen Fragen und kulturellen Themen.

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