10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2017 / Andrea Canobbio

Andrea Canobbio  [ Italien ]

Biographie

Portrait Canobbio
Copyright Andrea Canobbio / C. Pietro Canobbio

Gast des ilb 2017.

Bibliographie

Vasi cinesi

Einaudi

Turin, 1989

Traslochi

Einaudi

Turin, 1992

Padri di padri

Einaudi

Turin, 1997

Indivisibili

Rizzoli

Mailand, 2000

Der Garten

Rowohlt

Reinbek, 2005

[Ü: Annette Kopetzki]

Presentimento

Nottetempo

Rom, 2007

Mostrarsi

Nottetempo

Rom, 2011

Drei Lichtjahre

Rowohlt

Reinbek, 2017

[Ü: Annette Kopetzki]

Der italienische Schriftsteller und Übersetzer Andrea Canobbio wurde 1962 in Turin geboren. An der Universität seiner Heimatstadt studierte er an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften.

1986 gab er sein literarisches Debüt mit dem Erzählband »Diario del centro« (Tagebuch des Zentrums). Danach begann er als Lektor zu arbeiten. 1989 erschien sein erster Roman »Vasi cinesi« (Ü: China-Vasen). Die zwölf Geschichten darin bilden wie zwölf Ming-Vasen mit unterschiedlichen Mustern aus Blumen, Vögeln und Drachen ein Kaleidoskop von thematisch verschiedenen Episoden. Die Kritik sah das Werk in der Nachfolge von Borges und Calvino. 2004 erschien Canobbios Roman »Il naturale disordine delle cose« (2004; dt. »Der Garten«, 2005). Darin gerät das Leben des Gartenbauarchitekten Claudio Fratta aus dem Ruder, nachdem er auf dem Parkplatz vor einem Supermarkt Zeuge eines Mordes geworden ist. Auf der Suche nach der vermeintlichen Täterin macht er Bekanntschaft mit dem Papst, mit Drogen und schweren Verbrechen. Die spannende, mathematisch genaue Konstruktion des Geschehens ergänzt Canobbio mit »prickelnd unterkühlter Erotik« (»Süddeutsche Zeitung«). Die leidenschaftlichen Gefühle von Liebe, Macht und Verrat spielen hierbei eine zentrale Rolle. Über die Geschichte einer Familie hinaus porträtiert er auf kritische Weise das gegenwärtige Italien mit seinen politischen Umbrüchen und Verwerfungen. Canobbios jüngster Roman »Tre anni luce« (2013; dt. »Drei Lichtjahre«, 2017) beschreibt die Liebesgeschichte zwischen dem schüchternen Arzt Claudio und der Ärztin Cecilia. Claudio ist Anfang vierzig, wohnt mit seiner Mutter in einem Haus, ist lethargisch und trifft ungern Entscheidungen. So kann er Cecilia auch erst nach langem Zögern seine Liebe gestehen, aber sie ist genauso zurückhaltend wie er. Inzwischen entspinnt sich eine Liaison zwischen ihm und Cecilias Schwester, und so dauert es drei Jahre, bis aus Claudios heimlicher Liebe zu Cecilia Realität wird. Canobbio schildert das Geschehen abwechselnd aus den verschiedenen Blickwinkeln der Betroffenen dieses Dreiecksverhältnisses, sodass es nicht nur eine, sondern gleich drei Liebesgeschichten sind. Meisterhaft reflektiert er die verschiedenen Wahrnehmungen seiner Akteure und ihre feinen Versuche, sich einander zu nähern. »Kirkus Reviews« lobt den Roman als »ergreifende Schilderung der Unbedingtheit der Liebe und des ihr innewohnenden Wahnsinns«.

1990 erhielt Canobbio den Premio Grinzane Cavour sowie den Premio Mondello für »Vasi cinesi«. Einige seiner Romane wurden auch ins Englische und Französische übersetzt. Seit 1995 ist er Cheflektor für internationale Literatur beim Verlag Einaudi. Der Autor lebt in Turin.

abgelegt unter: