10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Zeina Abirached  [ Libanon, Frankreich ]

Biographie

Portrait Abirached
© Avant-Verlag, 2016

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

38, rue Youssef Semaani

Cambourakis

Paris, 2006

Mouton

Cambourakis

Paris, 2012

Das Spiel der Schwalben

Avant-Verlag

Berlin, 2013

[Ü: Paula Bulling]

Ich erinnere mich. Beirut

Avant-Verlag

Berlin, 2014

[Ü: Paula Bulling]

Piano Oriental

Avant-Verlag

Berlin, 2016

[Ü: Annika Wisniewski]

Zeina Abirached wurde 1981 in Beirut, Libanon, geboren. Sie studierte an der Académie Libanaise des Beaux-Arts (ALBA) in Beirut sowie an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris.

Erste Comics veröffentlichte Abirached schon während ihrer Zeit an der ALBA. Prägend für ihre vielfach preisgekrönte Arbeit ist ihre Kindheit im vom Bürgerkrieg erschütterten Libanon. Die Stoffe ihrer Kurzcomics und Graphic Novels speisen sich hauptsächlich aus autobiografischen Erlebnissen und sind inspiriert von alltäglichen Gegenständen wie alten Fotografien oder Fernsehaufnahmen. Im Schaffen Abiracheds lassen sich Einflüsse der berühmten französischen Comic-Autoren David B. und Jacques Tardi ausmachen. Ihren internationalen Durchbruch erzielte Abirached mit ihrer Graphic Novel »Le jeu des hirondelles. Mourir, partir, revenir« (2007; dt. »Das Spiel der Schwalben«, 2013). In dem Memoire beschreibt Abirached mit ihren charakteristischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen voll »verspielter Geometrik« (»Der Tagesspiegel«) einen Tag im Beirut des Jahres 1987. Für die verbliebenen Bewohner der Stadt ist das ein Leben, geprägt von Scharfschützen, Militärpatrouillen und Straßensperren. Doch Abirached bildet das Grauen des Krieges nicht ab, es bleibt buchstäblich außen vor. Denn »Das Spiel der Schwalben« ist im wörtlichen Sinn ein Kammerspiel. Die Wohnung der Abiracheds, ganz in der Nähe der Demarkationslinie gelegen, ist für die siebenjährige Zeina zur Welt geworden. Eines Tages kehren ihre Eltern von einem Besuch bei der Großmutter nicht zurück. In der Diele, dem einzigen sicheren Ort des unter ständigem Beschuss stehenden Hauses, versammeln sich Nachbarn und Freunde, um die Kinder von ihrer Angst um die Eltern abzulenken. Die Enge und die angespannte Situation entladen sich bei Abirached jedoch nicht in Misstrauen, Aggression oder Hass. Vielmehr schildert sie humorvoll eine Atmosphäre der Solidarität und des Zusammenhalts. Die »Süddeutsche Zeitung« urteilte: »Eines jener Meisterwerke der Neunten Kunst, von denen jedes Jahr höchstens zwei oder drei erscheinen.« Auch in »Je me souviens. Beyrouth« (2009; dt. »Ich erinnere mich. Beirut«, 2014) ist der libanesische Bürgerkrieg allgegenwärtig, ohne dass er explizit Eingang in die Graphic Novel gefunden hätte. Erneut schildert die Autorin aus Kinderperspektive die Absurditäten des Krieges; der Bruder etwa trägt stolz eine Granatsplittersammlung zusammen, während der Vater Musik von Richard Wagner bei voller Lautstärke abspielt, um den Gefechtslärm zu übertönen. Vor der Folie des Grauens entfaltet Abirached das Panorama einer Kindheit, die trotz aller Widrigkeiten von Geborgenheit und Glück geprägt ist. »Die naiv anmutenden Zeichnungen sind von beeindruckender Schärfe« (»Kurier«) und lassen Einflüsse aus der Kunst der arabischen Kalligrafie erkennen.

Zeina Abirached lebt seit 2005 in Paris.

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