10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Yitzhak Laor  [ Israel ]

Biographie

Portrait Laor
© Amira Oppenheimer

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Ephraim Hozer La-Tzavah

[Theaterstück]

Timon

1987

Am, Ma’achal Melachim

Hakibbutz Hameuchand

Tel Aviv, 1993

Steine, Gitter, Stimmen

Unionsverlag

Zürich, 2003

[Ü: Markus Lemke]

Ecce Homo

Unionsverlag

Zürich, 2005

[Ü: Markus Lemke]

The Myths of Liberal Zionism

VersoBooks

New York, 2010

Yitzhak Laor wurde 1948 in dem israelischen Dorf Pardes Hanna nahe Haifa geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und war danach als Dozent für Theater und Film an der Universität Tel Aviv sowie an der Jerusalemer Filmschule tätig. 1972 kam er in Haft, als er sich weigerte, seinen Wehrdienst in den besetzten Gebieten zu leisten.

Auch in Gedichten, Essays und Theaterstücken setzte er sich kritisch mit politischen Ereignissen wie etwa dem Libanonkrieg 1982 auseinander und protestierte immer wieder gegen die Unterdrückung der Palästinenser. Sein Drama »Ephraim Hozer La-Tzavah« (1987; Ü: Ephraim kehrt zur Armee zurück), die Parodie eines Antiheldenromans des bedeutenden israelischen Autors S. Yizhar, wurde von der Zensurbehörde zunächst verboten, weil es die Militärherrschaft in Judäa und Samaria herabsetze, bevor das oberste Berufungsgericht die Aufführung des Theaterstücks doch gestattete. Während sich Yitzhak Shamir 1990 noch weigerte, Laor den von ihm als Ministerpräsident zu vergebenden Poesiepreis zu verleihen, wurde der Autor drei Jahre später mit dem Bernstein-Poesiepreis ausgezeichnet, dem 1994 der Israelische Literaturpreis folgte. Mit seinem in dieser Zeit entstandenen ersten Roman »Am, Ma’achal Melachim« (1993; Ü: Das Volk, Futter für einen König) entdeckte Laor die Möglichkeiten der Prosa für sich, die ihm Raum bot, im Wechsel zwischen zahlreichen Perspektiven sowie zwischen Sarkasmus und Melancholie die Widersprüche zwischen Ideologie und Wirklichkeit im israelischen Alltag offenzulegen, in seiner direkten Sprache zugleich schonungslos gegenüber seinem Land als auch gegenüber dem Leser. Eine Kritik in »Der Freitag« bemerkte hierzu: »Dass sich das Politische im Werk Laors so zwanglos mit dem Poetischen verbindet, macht es zu einem in der zeitgenössischen israelischen Literatur Unvergleichlichen.« 1998 erschien sein zweiter Roman (dt. »Steine, Gitter, Stimmen«, 2003), der sprachgewaltig den Libanonkrieg als Fehler geißelt. Der Autor spielt dabei mit Fragen der Identität (u.~a. der seiner Hauptfigur) und übt subversive Kritik an der Konstruktion persönlicher und kollektiver (hier im Besonderen national-ethnischer) Selbst- und Fremdbilder. 2005 wurde auch Laors dritter Roman »Ecce Homo« (2002) ins Deutsche übertragen, den eine Rezension in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« dafür lobte, entlang der Leitmotive Militarismus und Sexualität durch die Vielschichtigkeit seines Personals und seiner Handlungsstränge sinnbildlich auch die Zerrissenheit des Landes nachzubilden, in dem er spielt. 2010 galt die Kritik des Autors den Mythen des liberalen Zionismus, die er in einem gleichnamigen englischsprachigen Buch sezierte.

Laor publiziert regelmäßig Literaturrezensionen in der israelischen Tageszeitung »Ha’aretz«. Zurzeit ist er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

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