10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Stella Gaitano  [ Südsudan ]

Biographie

Portrait Gaitano
© Alfons Nicola Wol Aliu

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

The Return

Short Stories

Rafiki

Juba, 2016

[Ü: Asha Musa El-Said]

Stella Gaitano wurde 1979 in Khartum, Sudan, geboren. Ihre Familie stammt aus dem Südsudan. An der Universität von Khartum studierte sie Pharmazie. Bereits während ihrer Grundschulzeit, sagt sie, habe sie begonnen, Geschichten zu schreiben. Zu den für sie prägenden Autoren zählt Gaitano den sudanesischen Autor At-Tayyib Salih sowie Gabriel García Márquez und Isabel Allende. Während ihres Studiums kam sie in Kontakt mit Intellektuellen und politischen Aktivisten, worauf sie ihre schriftstellerische Arbeit intensivierte und über sich, ihre Familie, ihr Volk zu schreiben begann.

Eine ihrer ersten Kurzgeschichten, »A Lake the Size of a Papaya Fruit« (Ü: Ein See von der Größe einer Papaya), habe sie, inspiriert durch ihre Großmutter, innerhalb einer halben Stunde geschrieben, so Gaitano. Es sei für sie eine Offenbarung gewesen. Die Erzählung, für die Gaitano 2003 prompt mit einem Literaturpreis ausgezeichnet wurde, handelt von einem Mädchen und dessen Großmutter, die sich alleine durchs Leben schlagen müssen, nachdem die Eltern des Mädchens und der Großvater ums Leben gekommen sind. »Wilted Flowers« (2002; Ü: Verwelkte Blumen) ist Gaitanos erster Kurzgeschichtenband. Darin behandelt sie das Schicksal von Menschen, die vor den mörderischen Konflikten im Südsudan, Darfur und den Nuba-Bergen geflohen sind und bei Khartum in Flüchtlingscamps leben. In ihrer jüngsten Veröffentlichung »The Return« (2015; Ü: Heimkehr) thematisiert Gaitano die Rückkehr der vielen Südsudanesen aus dem Norden in ihren gerade neu gegründeten Staat. Sie schildert die damit verbundenen hohen Erwartungen, großen Hoffnungen und übergroßen Enttäuschungen. Gaitano selbst siedelte 2012 vom Norden in den Südsudan über. Sie gilt als eine wichtige Stimme ihrer Landsleute, die Krieg und Vertreibung erfahren haben. Ihre Werke verfasst sie auf Arabisch. Dafür werde sie von einigen südsudanesischen Kollegen kritisiert, die im Arabischen ein, wie Gaitano sagt, »koloniales Werkzeug« sehen. Im Südsudan ist Englisch die Amtssprache, auch die meisten Autoren schreiben auf Englisch. Für Gaitano aber ist die Sprache »die Seele des Textes«, und sie hofft, dass es auch im Südsudan einen Platz für das Arabische geben werde. Zugleich wurde ihr auch von südsudanesischen Kritikern bescheinigt, »die Botschafterin des Landes in der arabischen Welt« zu sein.

Gaitano gewann 2001 und 2004 den Professor Ali El-Mek Award. Zur politischen Lage des Sudans und Südsudans äußert sie sich regelmäßig in Zeitungsartikeln. Sie beteiligt sich zudem an der Initiative Youth for My Country, die durch pragmatische, konkrete Hilfe das Leid der vielen Gewaltopfer im Südsudan zu lindern versucht. Stella Gaitano lebt in Juba, der Hauptstadt des Südsudans.

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