10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Sergej Lebedew  [ Russland ]

Biographie

Portrait Sergej Lebedew
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Der Himmel auf ihren Schultern

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2013

[Ü: Franziska Zwerg]

Menschen im August

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2015

[Ü: Franziska Zwerg]

The Year of The Comet

New Vessel Press

New York, 2017

[Ü: Antonina W. Bouis]

Sergej Sergejewitsch Lebedew wurde 1981 in Moskau geboren und studierte von 1998 bis 2001 Geologie und Journalismus an der Moskauer Staatsuniversität. In der Folge arbeitete er für unabhängige russische Medien.

Neben Gedichten und Essays veröffentlichte Lebedew 2011 mit »Predel’ zabvenija« (dt. »Der Himmel auf ihren Schultern«, 2013) einen ersten Roman. Dieser beruht in zweierlei Hinsicht auf eigenen Erfahrungen: So suchte Lebedew als Spross einer sowjetischen Geologenfamilie schon als Schüler in aufgegebenen Minen nach Mineralien und Bergkristallen, um sich sein Taschengeld aufzubessern, und entdeckte dabei Reste ehemaliger Gulag-Arbeitslager. Doch auch beim Schürfen in der Geschichte seiner eigenen Familie stieß der Autor auf Spuren dieser Vergangenheit, und sein Stiefgroßvater entpuppte sich als Lagerkommandant. Die »Neue Zürcher Zeitung« würdigte den Roman nicht nur als Versuch, das Schweigen über den stalinistischen Terror zu brechen und damit auch Putins geschichtsvergessenem Russland den Spiegel vorzuhalten, sondern auch als »sprachmächtige, atmosphärische Meditation über Erinnern, Vergessen, Europa und sein Anderes, untermauert von Tiefenpsychologie und Geschichtsphilosophie und Mythologie«. Lebedews Debüt wurde auf nationalen Bestenlisten geführt und ins Französische, Englische, Tschechische und Deutsche übersetzt. Sein zweiter Roman, 2013 veröffentlicht, wird 2017 ebenfalls in englischer Übersetzung erscheinen, unter dem Titel »The Year of the Comet« (Ü: Das Jahr des Kometen). Der Autor beweist hier erneut seine Meisterschaft durch eine Aufmerksamkeit für Details, die anderen entgehen würden, und seine Fähigkeit, unerwartete Bezüge herzustellen, in diesem Fall zwischen der nur auf den ersten Blick klein wirkenden Welt eines Kindes und dem Zusammenbruch der Sowjetunion. »Kirkus Reviews« sieht Lebedew daher in einer Reihe mit großen russischen Schriftstellern wie Alexander Solschenizyn, die sich nicht daran hielten, über gesellschaftliche Missstände zu schweigen. Auf Deutsch erschien zuletzt mit »Menschen im August« (2015) Lebedews dritter Roman, der in Russland lange Zeit keinen Verlag gefunden hatte. Ausgehend vom lückenhaften Tagebuch der Großmutter, betreibt der Erzähler hier erneut literarische Archäologie und liefert laut einer Rezension der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« über Einzelschicksale hinaus ein Porträt Russlands in den neunziger Jahren, das aufzeige, wie totalitäre Systeme an der Menschlichkeit nagten. In dem Roman bemerkt Lebedew entsprechend, 1991 seien zwar die Statuen vom Sockel gerissen worden, das System der Einschüchterung aber sei bis heute geblieben.

2016 ist Lebedew Berlin-Stipendiat der Akademie der Künste im Bereich Literatur.

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