10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Özge Samanci  [ Türkei, USA ]

Biographie

Portrait Samanci
© Özge Samanci

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Animasyonun Onlenemez Yukselisi

Istanbul Bilgi University Publications

Istanbul, 2004

Embodying Comics

Reinventing Comics and Animation for a Digital Performance

ProQuest

Ann Arbor, Michigan, 2011

Dare to Disappoint

Growing Up in Turkey

Farrar, Straus & Giroux

New York, 2015

Özge Samanci wurde in Izmir, Türkei, geboren und zeichnete bereits als Kind erste Comics, später auch für ein wöchentlich erscheinendes türkisches Satiremagazin. Nachdem Samanci zunächst Film und Fernsehen an der Istanbul-Bilgi-Universität studiert hatte, ging sie in die USA, um dort ein Masterstudium an der Ohio University zu absolvieren, gefolgt von einer Promotion im Bereich Digitale Medien am Georgia Institute of Technology.

2011 erschien ihre Dissertationsschrift »Embodying Comics: Reinventing Comics and Animation for a Digital Performance« (Ü: Comics verkörpern: Die Neuerfindung von Comics und Animation für eine digitale Performance). Seit 2006 teilt Samanci Beobachtungen und Erinnerungen in ihrem Online-Journal »Ordinary Things« (Ü: Gewöhnliche Dinge; www.ordinarycomics.com) und experimentiert dabei mit einer Mischung aus Zeichnungen und Collagen, in der Wasser- und Acrylfarben sowie verschiedene Fundstücke und Materialien zum Einsatz kommen. Ihre Arbeiten wirken auf den ersten Blick simpel, weisen bei genauerem Hinsehen aber mehrere Schichten auf, in die Samanci inspirierende semiautobiografische Erkenntnisse und Erlebnisse einwebt. Ihr Online-Journal als Ort für Reflexionen über ihr aktuelles Leben und zurückliegende Erfahrungen wurde auch zum Ausgangspunkt ihres ersten Buchprojekts »Dare to Disappoint: Growing Up in Turkey« (2015; Ü: Zu enttäuschen wagen: Aufwachsen in der Türkei). In ihren grafischen Memoiren lässt die Künstlerin mit unerschrockener Ehrlichkeit und Humor ihre Kindheit in einem Land Revue passieren, das unter Militärherrschaft stand und zwischen islamischem Fundamentalismus und säkularen, westlichen Wertvorstellungen gespalten war, wobei Parallelen zwischen einem Land, das seine Identität sucht, und der Suche der Hauptfigur nach einer eigenen Stimme und einem eigenen Weg gezogen werden können. Samanci gelingt es zudem, universelle Elemente aufzuzeigen, die über ihre individuelle, detailreich erzählte Geschichte hinausweisen, wie die Auseinandersetzung mit der Verpflichtung gegenüber dem Vater, der sich wünscht, das fantasievolle Mädchen werde Ingenieurin und hätte damit eine sichere Zukunft in einer ökonomisch instabilen Kultur. In einem Interview nach Ideen für ihr nächstes Buch befragt, antwortete die Künstlerin, sie sei noch unentschlossen, ob sie erneut eigene Erfahrungen, wie den Besuch einer Sekundarschule mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung, wo es nur wenige Frauen gab, verarbeiten oder sich an Fiktion ausprobieren werde, dann aber im Sinne des von Lynda Barry erfundenen Genres »Autobiofiktionografie«.

Samancis Bilder und interaktive Installationen mit digitalen Medien wurden international in Galerien ausgestellt und u.~a. auf der SIGGRAPH, einer Tagung für Computergrafik in den USA, gezeigt. Die Künstlerin arbeitet heute als Assistenzprofessorin an der Northwestern University und lebt in Chicago, Illinois.

[http://www.ozgesamanci.com/]

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