10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Nicola Lagioia  [ Italien ]

Biographie

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Tre sistemi per sbarazzarsi di Tolstoj

minimum fax

Rom, 2001

Occidente per principianti

Einaudi

Turin, 2004

Dopo Cristo

[Mit Francesco Longo, Francesco Pacifico, Christian Raimo]

Einaudi

Turin, 2005

Riportando tutto a casa

Einaudi

Turin, 2009

La ferocia

Einaudi

Turin, 2014

Nicola Lagioia wurde 1973 in der italienischen Stadt Bari geboren. Sein literarisches Debüt gab er 2001 mit dem Roman »Tre sistemi per sbarazzarsi di Tolstoj (senza risparmiare se stessi)« (Ü: Drei Systeme, um sich Tolstoi zu entledigen [ohne sich zu schonen]). Nach seinem 2004 erschienenen zweiten Roman »Occidente per principianti« (Ü: Westen für Anfänger) beteiligte sich Lagioia ein Jahr später an einem literarischen Experiment, als er als Teil des Autorenkollektivs Babette Factory zusammen mit Francesco Pacifico, Francesco Longo und Christian Raimo die gemeinsame Erzählung »Dopo Cristo« (Ü: Nach Christus) veröffentlichte. In einer Zusammenarbeit mit letztgenanntem Autor entstand 2004 auch die Anthologie »La qualità dell’aria« (Ü: Die Qualität der Luft), eine von mehreren Sammlungen mit Kurzgeschichten, die Lagioia publizierte. 2010 erhielt der Autor für seinen Roman »Riportando tutto a casa« (2009; Ü: Alles nach Hause bringen) den Premio Vittorini, den Premio Volponi sowie den Premio Viareggio. Ein Jahr später wurde Lagioia in einer von Paola Gallo und Dalio Oggero herausgegebenen Textsammlung vielversprechender italienischer Autoren unter vierzig Jahren mit dem Titel »A Casa Nostra« auch deutschen Lesern nahegebracht. Lagioia beschrieb in seinem Text sein Land als eine »gelähmte Demokratie«, die in die »zweite Welt« zurückgefallen sei. Gerade aus dieser Erfahrung entstehe aber eine »starke und mutige Generation, die in der Lage ist, neu zu beginnen«. Diese neue Generation italienischer Autoren schielt entsprechend nicht mehr auf die angloamerikanische Großstadtliteratur, sondern bezieht sich auf die Erzähltraditionen des eigenen Landes und auch die seiner unterschiedlichen Regionen. Lagioia selbst legte zuletzt mit »La Ferocia« (2014; Ü: Die Wildheit) ein subtil und großflächig angelegtes Psychogramm einer italienischen Familie vor, das gleichzeitig etwas über den Zustand der italienischen Gesellschaft aussagt. Nicht nur wegen seiner schonungslosen Gesellschaftskritik, sondern auch der erzählerisch-stilistischen Kraft des Werks wurde diesem 2015 die renommierte Auszeichnung Premio Strega zugesprochen. Lagioia zerlegt die Abfolge der Ereignisse in unzählige Bruchstücke, würfelt diese durcheinander und schneidet sie dann wieder nahtlos aneinander. Ebenso dicht ist sein Erzählstil, der kein Detail unerwähnt lässt und das kompromisslose Streben nach Macht und Größe, das seine Figuren innerlich verarmen lässt, durch eine Fülle von Vergleichen und Metaphern beschreibt. So wird etwa zu Beginn der unausweichliche Tod einer jungen Frau, die durch die Gärten eines Villenviertels in Bari auf eine Schnellstraße torkelt, durch die Schilderung der Kleintiere kontrastiert, deren Nachtruhe sie auf ihrem Weg gestört hat, denen danach aber wieder gleichgültig ist, was aus ihr wird.

Nicola Lagioia ist Direktor der italienischen Reihe des Verlages minimum fax und lebt in Rom.

[http://www.twitter.com/nicolalagioia/]

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