10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Meriam Bousselmi  [ Tunesien ]

Biographie

Portrait Meriam Bousselmi
© Bohumil Kostohryz

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Brouillon de vie

[Interaktiver Roman]

Sud Editions

Tunis, 2007

Mémoire en retraite

Hartmann & Stauffacher

Köln, 2011

[Ü: Leila Chammaa/Youssef Hijazi]

Sünde Erfolg

Hartmann & Stauffacher

Köln, 2013

[Ü: Andreas Bünger]

Truth Box

Hartmann & Stauffacher

Köln, 2013

[Ü: Silvio D’Alessandro]

Was der Diktator nicht gesagt hat

Hartmann & Stauffacher

Köln, 2014

[Ü: Silvio D’Alessandro]

Meriam Bousselmi wurde 1983 in Tunis, der Hauptstadt Tunesiens, geboren. Von 2002 bis 2007 studierte sie dort Regie und Dramaturgie am Centre Arabo-Africain de Formation et de Recherches Théâtrales und machte 2010 ihren Abschluss in Rechtswissenschaft.

Drei Jahre zuvor war sie bereits nicht nur mit dem Theaterpreis der Organisation Ressources culturelles für das Stück »Zapping sous contrôle« (Ü: Zappen unter Kontrolle) ausgezeichnet worden, sondern hatte auch den Literaturpreis des Arab Fund for Arts and Culture für ihr Buch »Brouillon de vie« (2007; Ü: Entwurf des Lebens) erhalten. Rezensenten bezeichneten das Werk als jung und frisch, absurd und bewusst verrückt. Genres überschreitend und Tabuthemen wie Jungfräulichkeit anpackend, zeichnet Bousselmi ein kritisches Bild unserer Gegenwart, in der Menschen in der Flut an Informationen, die von allen Seiten auf sie einprasseln, ironischerweise selbst sprachlich zu verarmen drohen. 2011 wurde ihr Stück »Mémoire en retraite« (dt. »Gedächtnis im Ruhestand«) beim vierten Arabischen Theaterfestival mit dem Sheikh Sultan Bin Mohammed Al Qasimi Award als beste arabische Theaterperformance gewürdigt. Der darin verhandelte Konflikt zwischen einem Sohn und seinem Vater, die ungewollt voneinander abhängig sind, steht für den Kampf zwischen den alten, korrupten Eliten und der Jasminrevolution der Jugend in Tunesien, an der Bousselmi selbst teilnahm. 2012 war die Autorin Stipendiatin der Sektion Darstellende Kunst der Akademie der Künste Berlin und entwickelte für Globalize Cologne, eine internationale Plattform für Theater und Tanz, die Performance-Sequenz »Odette«. 2013 folgten die Stücke »Sünde Erfolg« in Köln sowie »Truth Box« (Ü: Wahrheitskiste), ein öffentlicher Beichtstuhl, der, in Berlin an verschiedenen Orten im öffentlichen Raum installiert, Besucherinnen und Besucher dazu herausforderte, fremden Sünden Absolution zu erteilen. In Luxemburg hatte 2014 Bousselmis Stück »Was der Diktator nicht gesagt hat« Uraufführung, ein Monodrama, in dem drei Jahre nach der Flucht des tunesischen Staatsoberhaupts Zine el-Abidine Ben Ali ein namenloser Exdiktator das Schweigen, das nach seiner revolutionären Absetzung um ihn herrscht, durch imaginierte Gespräche zu füllen sucht. Wie bereits in früheren Werken geht es der Autorin hier wieder darum aufzuzeigen, wie Menschen zu Opfern politischer Manipulationen gemacht und im schlimmsten Fall zu Helfershelfern einer Diktatur korrumpiert werden.

Bousselmi forscht im Rahmen einer Doktorarbeit auch zur Inszenierung von Gerechtigkeit bzw. zum Verhältnis von Justiz und Theater und setzt dieses Thema auch künstlerisch um, wie in dem Text »Fair or Unfair, that’s the question« (Ü: Fair oder unfair, das ist die Frage), der im November 2016 beim Theater-Festival von Karthago auf die Bühne gebracht werden soll. Sie ist 2016/2017 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

[http://www.meriambousselmi.com/]

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