10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Maylis de Kerangal  [ Frankreich ]

Biographie

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Je marche sous un ciel de traîne

Éditions Verticales

Paris, 2000

Die Brücke von Coca

Suhrkamp

Berlin, 2012

[Ü: Andrea Spingler]

À ce stade de la nuit

Éditions Guérin

Paris, 2014

Die Lebenden reparieren

Suhrkamp

Berlin, 2015

[Ü: Andrea Spingler]

Un chemin de table

Éditions du Seuil

Paris, 2016

Maylis de Kerangal wurde 1967 im französischen Toulon geboren und studierte Geschichte, Philosophie sowie Ethnologie in Rouen und Paris. Danach arbeitete sie bei dem französischen Kinder- und Jugendbuchverlag Gallimard Jeunesse und besuchte nach einem Aufenthalt in den USA die Pariser Graduiertenhochschule École des Hautes Études en Sciences Sociale.

Seit 2000, als ihr erster Roman erschien, ist de Kerangal Vollzeit als Autorin tätig; von 2004 bis 2008 führte sie zudem den Jugendbuchverlag Éditions du Baron Perché. Der Roman »Naissance d’un pont« (2010; dt. »Die Brücke von Coca«, 2012) brachte ihr 2010 neben Nominierungen für zahlreiche Literaturpreise den renommierten Prix Médicis sowie zusammen mit Kathrin Röggla den Franz-Hessel-Preis ein. In der Begründung der Jury hieß es, de Kerangal sei es gelungen, »in einer vielschichtigen dramatischen Erzählweise einen Roman zu komponieren, der aufrüttelnd und beeindruckend ist«. 2014 wurde »Naissance d’un pont« außerdem mit dem Gregor von Rezzori-Preis ausgezeichnet. Anhand des Baus einer gewaltigen Brücke, die am Anfang unseres Jahrtausends in Coca, einer fiktiven Stadt in Kalifornien, entstehen soll, zeigt die Autorin auf, wie sich die Gegenwart »in die Köpfe und Körper der Menschen einschreibt« (»Süddeutsche Zeitung«) und dass das Aufeinandertreffen von Arbeitskräften aus der ganzen Welt nicht reibungslos verläuft, aber auch Kräfte ungeahnten Ausmaßes freisetzt. Der Roman »Réparer les vivants« (2013; dt. »Die Lebenden reparieren«, 2015) wurde ebenfalls mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Grand Prix RTL-Lire, der Prix Orange du Livre und der Prix Relay (alle 2014). Über einen Zeitraum von 24~Stunden verfolgt de Kerangal darin in einer rasanten Folge von emotional aufrührenden Szenen und in deskriptivem Reportagestil die Transplantation des Herzens eines neunzehnjährigen Unfallopfers von der Entscheidung dazu bis hin zur Annahme der Organspende in einem anderen Körper. Eine Rezension in »Die Welt« sprach von einem »Text, der den Tod zwar nicht aufhalten kann, aber das Leben liebt«, und nannte de Kerangals Prosa »virtuos grausam und virtuos schön, kontrolliertes Trance-Schreiben, das sich nichts verbietet« sowie »gloriose Literatur«. Auch die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« lobte nicht nur die Courage der Autorin, ein solches Thema in einem Roman anzupacken, sondern bescheinigte ihr auch, »über die literarischen Mittel und Möglichkeiten« zu verfügen, »daraus einen spannenden wie anrührenden Text zu machen«. 2016 wurde »Réparer les vivants« von der Regisseurin Katell Quillévéré verfilmt. Zuletzt publizierte de Kerangal den Roman »Un chemin de table« (2016; Ü: Ein Tischläufer) über die kulinarische Entdeckungsreise eines jungen Kochs.

Die Autorin lebt in Paris.

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