10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Marc Trévidic  [ Frankreich ]

Biographie

Portrait Marc Trévidic
© Bruno Klein

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Au cœur de l’antiterrorisme

JC Lattès

Paris, 2011

Terroristes: Les 7 piliers de la déraison

JC Lattès

Paris, 2013

Qui a peur du petit méchant juge?

JC Lattès

Paris, 2014

Ahlam oder Der Traum von Freiheit

Kindler

Reinbek, 2016

[Ü: Regina Keil-Sagawe]

Marc Trévidic wurde 1965 in Bordeaux, Frankreich, als Sohn eines bretonischen Vaters und einer baskischen Mutter geboren. Einem Studium der Rechtswissenschaften folgte der Besuch der Nationalen Richterschule in Bordeaux, die für die Aus- und Weiterbildung der Magistrature (Richter und Staatsanwälte) zuständig ist. Nachdem Trévidic in Péronne erste Erfahrungen als Untersuchungsrichter gesammelt hatte, wurde er 1992 zum stellvertretenden Staatsanwalt in Nantes ernannt. Ein beruflicher Wechsel nach Paris resultierte in einer Spezialisierung auf Anti-Terror-Fälle, zu denen er von 2006 bis 2015 auch als Ermittlungsrichter des Hohen Gerichts von Paris Urteile fällte. So untersuchte er beispielsweise ab 2008 die Umstände des tödlichen Attentats auf Ruandas Präsidenten Juvénal Habyarimana im April 1994, das den Völkermord an den Tutsi und gemäßigten Hutus auslöste. Ein Abschlussbericht, den Trévidic 2012 mit der Richterin Nathalie Poux publizierte, kam zu dem Schluss, dass Habyarimanas Flugzeug nicht durch damals als Rebellen kämpfende Männer des heutigen Präsidenten Paul Kagame abgeschossen wurde, sondern durch eine Rakete aus dem eigenen Lager.

Ein Jahr zuvor hatte Trévidic das Buch »Au cœur de l’antiterrorisme« (Ü: Im Herzen des Antiterrorismus) veröffentlicht, in dem er einen Blick hinter die Kulissen seiner Arbeit gewährt~– von Reisen unter schwerer Bewachung bis hin zu Verhören in geheimen Gefängnissen am anderen Ende der Welt~–, aber auch vom Wechselbad der Erfolge und Enttäuschungen berichtet. 2013 beschäftigte sich Trévidic in »Terroristes: Les 7 piliers de la déraison« (Ü: Terroristen. Die 7 Pfeiler der Unvernunft) mit den Bedingungen, durch die normale Jugendliche zu Anhängern des Dschihad werden, wobei ihm laut dem französischen Nachrichtenmagazin »Le Nouvel Observateur« der Spagat gelingt, einerseits die für eine Bekämpfung des Terrorismus notwendige Geheimhaltung zu wahren und andererseits eine Aufklärung der Öffentlichkeit zu betreiben. Das darauffolgende Buch »Qui a peur du petit méchant juge?« (2014; Ü: Wer hat Angst vor dem kleinen bösen Richter?) stellt dagegen wieder eine Auseinandersetzung mit dem Richteramt und seiner gesellschaftlichen Verantwortung dar, von der Französischen Revolution bis heute. 2016 erschien »Ahlam« (dt. »Ahlam oder Der Traum von Freiheit«, 2016), Trévidics erster Roman, der in Tunesien in den Jahren vor sowie während der Jasminrevolution spielt und beschreibt, wie die Freiheit auch der Kunst durch das Aufkommen eines radikalen Islamismus bedroht wird. Der Autor nutzt dabei u.~a. sein in vielen Ermittlungen erworbenes Hintergrundwissen, um dem Leser die schleichende Indoktrination einer der Figuren, die mit einer Veränderung der Persönlichkeit einhergeht, zugänglich zu machen.

Seit 2015 ist Trévidic als stellvertretender Präsident des Landgerichts in Lille tätig, 2016 erhielt er den Prix de la Maison de Presse.

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